Eine politische Dimension schwappt im Subtext herum

Das Schmähgedicht von Jan Böhmermann, das die Gemüter seit zwei Wochen bewegt, hat etwas von einem Katalysator: Es sorgt in vielem für Klarheit; die Beiträge, die dazu immer noch entstehen, sagen oftmals sehr viel über das Denken derer aus, die sie schreiben. Über ihre Fähigkeit, ein uneindeutig eindeutiges Phänomen wie eine Satire zu erfassen, zu verstehen und es zu bewerten.

Man sollte eigentlich meinen, dass jeder, der sich ins schreibende Metier begeben hat, irgendwann mal in den zwei Bänden Tucholsky-Auswahl, die flächendeckend in den Eltern- oder Großelternwohnzimmern der Republik zu finden sind, geschmökert Weiterlesen

Dümmer als es Tucholsky erlaubt

Ich wollte eigentlich gar nichts zu Jan Böhmermanns „Schmähkritik“ und ihren Folgen sagen. Aber dann sah ich, dass es tatsächlich manche gibt, die bei Facebook z.B. den Artikel von Michael Hanfeld in der FAZ zustimmend teilen, und es floss mir adhoc eine Replik in die Tasten, die, fand ich, mein Missvergnügen an den Satirekritikern ganz prägnant auf den Punkt brachte:

Man kann eine Satire mal nicht verstehen. Eine Satire kann auch einfach schlecht sein. Aber: NIEMALS eine Satire ernsthaft kritisieren! (Gibt es was peinlicheres?) Vor allem nicht eine gute, eine treffende, eine dramaturgisch und pädagogisch perfekt aufgebaute und 100%-ig ins Ziel treffende Satire wie Böhmermanns Schmähkritik. Die auch noch in ihrem Nachwirkungen gut inszeniert war: Dass diese Schmähkritik dann vom ZDF herausgeschnitten wird, wurde doch schon in der Sendung selbst angekündigt. Weiterlesen

Tja, ihr Willkommens-Medien! Tja, ihr Geschenkmenschen! Das wars wohl für Euch! High5!

Es war, finde ich, eine erschütternde Woche, diese zweite Woche des Jahres 2016. Sie war erschütternd, weil bis zum jetzigen Zeitpunkt für mich die Gefahr nicht gebannt scheint, dass der Hass gegen Menschengruppen, Fachbegriff: „Rassismus“, in Deutschland, angestoßen durch die Taten in der Silvesternacht in Köln, einen entscheidenden Durchbruch zur dauerhaften Akzeptanz in unserer Gesellschaft geschafft haben könnte.

Die in ähnlich verkommener Art wie schon länger geführten Hass-Diskurse bei Facebook u.a. bilden natürlich die Grundsubstanz für diesen Rassismus. Seriöse Medien enthalten die meist nur in den Kommentarspalten unter ihren Artikeln.

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„Making friends“: 7mal Kunst-Geschichten aus dem Bahnhofsviertel

Ein kleiner Video-Bericht über die Ausstellungseröffnung am 7. September 2015

Unter dem Obertitel „Making friends“ wird Oskar Mahler, „Stadtteilbildhauer des Frankfurter Bahnhofsviertels“, in den nächsten Monaten insgesamt 7 Ausstellungen zu verschiedenen Menschen und Aspekten des Frankfurter Bahnhofsviertels machen. Weiterlesen

„Willkommen in Frankfurt“

Am 5. September 2015 kamen gegen 22 Uhr erste Flüchtlinge über Ungarn am Frankfurter Hauptbahnhof an; nachdem schon mehrere hundert freiwillige Helfer auf sie gewartet hatten.

Gegen 22 Uhr traf ein erster Zug mit einer Reihe von Flüchtlingen ein:

Hfb Frankfurt: Zug mit 50 Flüchtlingen angekommen, Helfer verteilen Essen und Trinken

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  retweetete

Angekommen in Frankfurt: Achmed, 3 Jahre aus Hassaka, Syrien

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Hass, Wut, Rechthaberei: Warum das Thema Griechenland so unangenehm berührt

Natürlich ist Deutschland gespalten. Fatal gespalten.  Vor allem ist da diese große Mehrheit von Menschen, die erstaunlich empört und mittlerweile konsequent unduldsam gegenüber „den Griechen“ sind. Alles konsequente, harte, aber ehrliche Hunde. So wie es ihre Lieblingspolitiker Schäuble und Merkel sind. Wenn die so entnervt von den Griechen sind, die einfach nicht die Vorteile einer immer noch härter werdenden Sparpolitik verstehen wollen, werden die schon recht haben.

Viele sind allerdings alleine schon deshalb genervt, weil sie das Thema eigentlich gar  nicht so sehr mitnimmt. Viele wollen gar nichts mehr davon hören. „Es gibt doch wohl auch noch was anderes als Griechenland“, hört man auch auf vielen Redaktionskonferenzen. Weiterlesen

Ein großer fairer Sieg für europäische Vernunft und Anstand (?)

18:0 gegen Griechenland: Die Großen (in rot-weiss) haben die kleinen (in blau-gelb)  besiegt und können sich vor Freude und Triumph kaum einkriegen. (Wenn es ein bisserl unfair zuging – das tut der Freude am Sieg keinen Abbruch)

Den Griechen bleibt nur die schwache Hoffnung auf eine Revanche – wie damals beim 1:0:

B-Noten verteilen statt Politik verstehen und einordnen

Bald wird es erste Meldungen geben, ob im Referendum in Griechenland die Wähler mehrheitlich mit „Nai“ oder „Oxi“ abgestimmt haben. Es ist von vielen Seiten schon sehr vieles, wahrscheinlich im Prinzip schon alles gesagt worden.

Mir fiel jetzt nur gerade noch auf, wie je eine der beiden Grundpositionen, die in der Griechenland-„Tragödie“ sich unversöhnlich gegenüber stehen, jeweils von einer Deutschlandfunk-Kommentatorin vertreten werden.

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Audiatur et altera pars

Nachdem Alexis Tsipras ein Referendum angekündigt hat und nachdem daraufhin der Rest der Euro-Gruppe die Verhandlungen abgebrochen hat, ist medial das Urteil über Alexis Tsipras, Giannis Varoufakis und die Syriza-geführte Regierung gesprochen: Nicht nur konservative Politiker, für die das Regieren einer solchen Partei sowieso schwer erträglich ist, sondern auch Sozialdemokraten und jetzt auch journalistische Kollegen jenseits von Jan Fleischhauer und Paul Ronzheimer machen aus ihrem dringenden Wunsch nach einem Ende dieser Regierung keinen Hehl mehr. Der Brüsseler ARD-Korrespondent Rolf-Dieter Krause sieht in den griechischen Linken keine Politiker mehr, die es noch würdig wären, in den Höhen Weiterlesen