Tja, ihr Willkommens-Medien! Tja, ihr Geschenkmenschen! Das wars wohl für Euch! High5!

Es war, finde ich, eine erschütternde Woche, diese zweite Woche des Jahres 2016. Sie war erschütternd, weil bis zum jetzigen Zeitpunkt für mich die Gefahr nicht gebannt scheint, dass der Hass gegen Menschengruppen, Fachbegriff: „Rassismus“, in Deutschland, angestoßen durch die Taten in der Silvesternacht in Köln, einen entscheidenden Durchbruch zur dauerhaften Akzeptanz in unserer Gesellschaft geschafft haben könnte.

Die in ähnlich verkommener Art wie schon länger geführten Hass-Diskurse bei Facebook u.a. bilden natürlich die Grundsubstanz für diesen Rassismus. Seriöse Medien enthalten die meist nur in den Kommentarspalten unter ihren Artikeln.

Aber auch einige wenige konservative Journalisten zeigten dieser Tage hämisch auf die verachteten Kollegen von anderen Medien, wie der stellvertretende „Cicero“-Chefredakteur Alexander Marguier am 5. Januar:

„Was in Köln passiert ist, kann nicht einmal mehr von den linksideologischen Willkommens-Medien und einem sich selbst gleichschaltenden öffentlich-rechtlichen Rundfunk unter den Teppich gekehrt werden. Denn dafür ist ein bis zu 1000 Personen großer Mob, aus dem heraus Feuerwerkskörper auf Passanten geworfen, Diebstähle, Raubtaten und vor allem sexuelle Übergriffe auf Frauen begangen werden, einfach zu groß“.

Nun haben wir (ich leider nicht, weil ich krank war) „gleichgeschalteten“, „linksideologischen“ öffentlich-rechtlichen Medien durchaus jeden Tag und sehr stark über Köln berichtet. Die sehr wahrscheinliche Herkunft der Täter wurde dabei nirgendwo „unter den Teppich gekehrt“. Solche Verdächtigungen von Nicht-Journalisten bei Facebook muss man aushalten, aber ein Journalist darf so einen Schmarrn nicht einfach mal so ins Netz hauen, unrecherchiert, unbelegt, falsch; eine rein emotionale Meinung, die ich dem Mann nichtmal wirklich abnehme.

Aber man ahnt dahinter, dass manch einer gerne mehr sagen würde. Verräterisch z.B. das Wort von den „Willkommens-Medien“.  War das, was da in Köln geschehen war, nicht der eindeutige Beleg dafür, dass die Flüchtlingspolitik in Deutschland „gescheitert“ ist? Kriegsflüchtlinge, die Frauen in Deutschland sexuell belästigen und vergewaltigen – da sehen wir doch, wie die kulturell ticken?

Sagt mal, liebe (gottseidank wenige) Kollegen, ist das wirklich Euer Ernst? Fordert Ihr einen Freibrief, ab jetzt endlich mal sagen zu dürfen: „Wir Journaille wollen auchmal einfach loslegen dürfen, wie die ganzen anderen, die bei Facebook schreiben! Letztlich sind die doch alle so! Da brauchen wir nicht mehr groß nachzurechnen. Da brauchen wir keine Fakten mehr, wer genau die Täter eigentlich waren! Wir können jetzt nicht mehr abwarten, bis die unfähige Polizei uns die Beweise geliefert hat!“

Aus den FB-Foren quillt sowas hundertausendpostweise.

Viele, die keine Flüchtlinge aufnehmen wollen, fühlen sich bestätigt. Der virtuelle Stammtisch, der slowakische Ministerpräsident Fico, der nach den Kölner Übergriffen keine Muslime mehr aufnehmen will. Und eben auch Facebook-nahe Journalisten, wie Alexander Wendt, Redakteur bei „Focus“. Er postete am 3. Januar über die im Anti-Gut-Mensch-Milieu verhasste Grünen-Fraktions-Chefin Katrin Göring-Eckhardt:

„Göring-Eckardt meint: ‚So manchem Pegida-Hinterherläufer oder CSU-Populisten würde ein Benimmkurs jedenfalls auch nicht schaden.'“
Nicht, dass ich es ihr wünschen würde – aber vielleicht könnte KGE selbst das empathiesteigernde Gedankenexperiment versuchen und sich vorstellen, wie sie von ihren Geschenkmenschen auf einem dunklen Bahnhof willkommengeheißen wird.Und dann Schlüsse über den Unterschied des Frauenbildes in arabischen Ländern und in Dresden ziehen.“

Das ist hart,  das bringt ein Bild in den Kopf, aber natürlich ist es nur „ein Gedanken-Experiment“. Nicht wirklich ernst gemeint. Nur, damit sich die Dame auchmal vorstellen kann, welche Ängste Frauen vor Flüchtlingen haben müssen, die sich ja jetzt bestätigt haben. Auch hier ein verräterisches Wort: Die hämische Abqualifizierung aller Flüchtlinge als „Geschenkmenschen“. Weil Göring-Eckardt gesagt hatte, wir bekämen „plötzlich Menschen geschenkt“. Indirekt ist damit klar, was der Focus-Redakteur von allen Flüchtlingen hält. Und man kann sich vorstellen, wie er sich mit seinen Freunden oder gleichdenkenden Kollegen feixend High5s gibt. „Geschenkmenschen, haha, da haben wir uns ja ein schönes Geschenk ins Haus geholt“.

Und dann gab es in den letzten Tagen immer wieder den Vorwurf der „Relativierung“: Jemand verwies auf andere events, bei denen oft Vergewaltigungen geschehen, etwa das Münchener Oktoberfest. Oder auf die vielen Anschläge auf Flüchtlingsheime. Das ging in den Augen der FB-Meute gar nicht, aber auch nicht manches konservativen Journalisten. Damit sollten die Verbrechen von Köln „relativiert werden“, denn für die Gutmensch-Journalisten kann nicht sein, was nicht sein darf. Ein böses Foul gegenüber Kollegen: Denn was anderes als „Einordnung, ins Verhältnis setzen“ ist journalistische Arbeit?! Und wurde hier nicht genau das verlangt, was man sonst so empört anprangerte? Bestimmte Verhältnisse nicht darlegen dürfen, weil das sonst der gewünschten Wahrnehmung und Gewichtung des Ereignisses schadet? Weil sonst dies geschieht: „Sexuelle Gewalt in Köln mit dem Oktoberfest kleinreden„!

Vor allem, welche Wahrnehmung wollen die jeweiligen „Relativierungs“-Kritiker? Die Wahrnehmung von sexualisierter Gewalt gegen Frauen? Oder die Wahrnehmung von empörend kriminellen Flüchtlingen? Dazu müsste man mal untersuchen, wie stark die jeweiligen Kollegen (viele Männer, interessanterweise) in den letzten Jathren in ihren Berichten andere spekakuläre Fälle von sexueller Gewalt „ernst genommen“ haben. Oder ob viele nicht eher das Leib-und Magenthema „Migration, Flucht und Deutschlands Überforderung“ haben?

Auf jeden Fall haben sich die allermeisten Medien dieser Hysterie wenig gebeugt. Denn es wurde ja auch überall versucht, darüber vielfältig zu berichten, natürlich auch in den öffentlich-rechtlichen Medien. Beiträge über den aktuellen Stand, Hintergründe, Interviews mit Experten und Korrespondenten. Ein genauerer Blick zum Beispiel des Ex-Nordafrikakorrespondenten der ARD auf den unverhohlenen Sexismus vieler Männer in dieser Region, über häusliche Gewalt, über die Ungleichheit von Mann und Frau etc. – ruft auch nur ein Stirnrunzeln des FAZ-Journalisten Michael Hanfeld hervor, weil der Korrespondent ihm nicht die Aussage liefern will, die er wohl gerne gehabt hätte: Araber vergewaltigen Frauen, ohne Skrupel. Nicht Verbrecher vergewaltigen, sondern arabische Männer. Und dass er dies nicht berichtet, weil er, als jemand, der sieben Jahre lang in dieser Region gelebt hat, eben einschätzt, dass es nicht so ist, wirft ihm der hochkarätige FAZ-Journalist vor, „jedweden „kulturellen“ Zusammenhang wegzureden. „Den Grund für solche Eiertänze sieht man wohl: Niemand will Fremdenhassern und Rechtsextremen in die Hände spielen“.

Humbug, und eine Gemeinheit gegenüber dem Kollegen, dass man ihm Kompetenz und journalistische Unabhängigkeit abspricht. Journalisten, die solche Vorwürfe gegenüber Kollegen machen, müssen nur aufpassen, dass man sich nicht fragt, wie sie überhaupt auf die Idee kommen können, dass man in diesem Beruf Menschen mit verfälschten Wahrheiten auf einen gewünschten ideologischen Pfad bringen könnte? Ist das etwas, was ihnen selbst  in ihrem journalistischen Arbeitsalltag gar nicht unvertraut ist?

P.S. 11.01.2016: Georg Diez sieht nach Köln einen „Tiefpunkt des Journalismus in diesem Land“ : „Bis weit hinein in das journalistische Milieu reicht dieses Verschwörungsdenken, und das Vokabular unterscheidet sich nur leicht von den Worten derjenigen, die von „Systemmedien“ sprechen“.

P.S. 13.01.2016: Tom Schimmeck hat eine „anschwellende Ahnung, dass hierzulande gerade die Sicherungen durchbrennen. Dass unsere manchmal scheußlich unterkühlte Gesellschaft sich entzünden könnte, angefacht von miesen, brandheißen Stimmungen„.

(Die absurde Behauptung, in Deutschland herrschte keine Meinungsfreiheit und man dürfte vieles nicht sagen, habe ich am 27. 10.2015 in „hr-info“ kommentiert.)

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