Nordpol-Neuseeland: Santa Claus‘ entfernteste Parade

Ausgerechnet am 30. November in Auckland sein auf einer Neuseelandreise: Das ist ein großes Glück, wenn man auf Weihnachtsparaden steht. Oder, auf Karnevalsumzüge. Die sind nämlich in manchem verwandt. Also kann man die „Farmers Santa Parade“ in Auckland nicht ignorieren. Zumal wenn man qua Beruf einfach das Gen in sich hat, dass man solche Ereignisse dokumentieren will. Auch wenn Urlaub ist und sowie eigentlich auch Ruhestand, ist es ein dankbares Sujet, selbst wenn man ja bei einem Umzug vor allem Bilder braucht – als Radiomensch ist man da nicht so geübt.

Am Ende habe ich die „Santa Parade“ vom 30.11.2025 von Anfang bis Ende gefilmt, natürlich per Mobiltelefon, und zu einem Film zusammengeschnitten. Es war das erstemal, dass ich Weihnachten bzw. Vorweihnachten auf der Südhalbkugel erlebt habe, wo ja Sommer ist, wenn wir Winter haben, und Frühling, wenn wir schon sehr kühlen Herbst haben. Die Stimmung ist ein wenig wie beim Karneval in Kölle, Mainz oder sonstwo in Deutschland, nur Kamelle werden nicht geworfen. Es gibt Motivwagen, Fußgruppen, viele sehr verschiedene Tanzgruppen, Kostüme, Blas- und Dudelsackkapellen und natürlich doch auch Weihnachsmusik. Und statt dem Prinz fährt am Ende Santa Claus ein.

Rosa von Praunheim 2004: „Selbst die Kirche findet die Hölle interessanter“

Der Film- und Theaterregisseur Rosa von Praunheim ist heute in Berlin verstorben. Er wurde 83 Jahre alt; erst vor fünf Tagen hatte er seinen langjährigen Lebensgefährten geheiratet. Geboren wurde er 1942 in Riga in Lettland; mit seinen Adoptiveltern kam er 1953 aus der DDR in den Westen. Er ging in Frankfurt zur Schule und studierte dann Malerei in Offenbach und in Berlin. Bevor er dann damit begann, weirde Filme zu drehen, wie 1971 die „Berliner Bettwurst“, in denen er sich seit den 70ern vor allem für die Gleichberechtigung von Schwulen und Lesben einsetzte. „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“, auch von 1971, trug seine Botschaft schon im Filmtitel. 

2004 kündigt er an, dass er einen Film drehen wollte, der von dem sogenannten „Kannibalen von Rotenburg“ beeinflusst sein sollte. Dieser „Kannibale von Rotenburg“ hatte in Deutschland und weit darüber hinaus für Aufsehen gesorgt. Armin Meiwes hatte einen Menschen bei sich zu Hause in Rotenburg-Wüstefeld erst verstümmelt und dann getötet. Danach hatte er sein Fleisch eingefroren und nach und nach Teile davon gegessen. Meiwes wurde Anfang 2004 zu einer langen Gefängnisstrafe verurteilt. Rosa von Praunheim wollte einen Film über diesen Fall drehen – die Filmförderung Nordrhein-Westfalen wollte ihn mit 20.000 Euro fördern.

Praunheims Filmprojekt erregte deshalb 2004 in Hessen, wo der Kannibale sein Verbrechen begangen hatte, die Gemüter.

Meiwes‘ Rotenburger Anwalt bezeichnete es als „geschmacklose Wichtigtuerei“.

Der damalige Rotenburger Bürgermeister Manfred Fehr (SPD) hielt eine solche Tat nicht für geeignet, sie, in welche Form auch immer, auf die Leinwand zu bringen.

Während des ersten  Prozesses gegen Meiwes in Kassel hätten zahlreiche Fernsehsender – wie CNN, aber auch das thailändische oder russische Fernsehen in Rotenburg gedreht. Das Licht, das diese Tat, eines Einzelnen, von der niemand in Rotenburg irgendetwas hatte ahnen können, auf seine Stadt warf, war dem Stadtoberhaupt natürlich sehr unwillkommen.

Von Praunheim veröffentlichte seinen Film dann zwei Jahre später tatsächlich: „Dein Herz ist mein Gehirn“ war der Titel. Er verteidigte damals, 2004, sein Absicht, den Film zu machen, auch gegenüber mir – ich machte damals einen Radio-Beitrag für den hr über diese Diskussion.

Harald Ermel, der Anwalt des Kannibalen, wollte keine Veröffentlichung zum Leben des Kannibalen autorisieren, bevor das Urteil nicht rechtskräftig war. Filmemacher Rosa von Praunheim hielt dem entgegen, dass Armin Meiwes eine Person des öffentlichen Lebens sei, da habe man als Künstler „gewisse Freiheiten“. Weiterlesen

Immer gut informiert durch MSN – preiswert mit Mängeln

Okay, dieser Artikel kostet nichts, er wird von Microsoft kostenlos in meine Windows-Taskleiste unten rechts eingespielt. Aber er ist, journalistisch gesehen, eine Katastrophe. Die Recherche mag okay sein, im englischen Original ist er wahrscheinlich verständlich und korrekt geschrieben, aber: die Übersetzung ist unter aller Sau.

Es beginnt mit einer besonders dramatischen Überschrift: „Demütigung für Putin, als Elite-Soldaten sich wegen Medaillen und Millionen gegenseitig erschossen„. Ausgerechnet in dem Moment, als sich fast drei Dutzend Elite-Soldaten mit ihren Schusswaffen gegenseitig niedermetzelten, wurde auch der Staatspräsident gedemütigt?

Was war da überhaupt genau passiert? Das wird im Text erzählt:  „Mindestens 35 Mitglieder der 83. Luftlandebrigade der Garde sollen sich gegenseitig erschossen haben, um Kampfwunden vorzutäuschen„.

Aha, da haben sich russische Soldaten, die, so vermute ich als einer, der den Artikel zu lesen beginnt, blöderweise gegenseitig getötet, als sie eigentlich einander nur Pseudo-Kampfwunden zufügen wollten. Weiterlesen

„iθ ne Kadaver!“ Der weiße Hai wird 50

Am 20. Juni 1975, genau vor 50 Jahren, veröffentlichte Universal Pictures den Film „Der weiße Hai“ des damals erst 28 Jahre alten Steven Spielberg. In die deutschen Kinos – natürlich abzüglich der DDR – kam er erst im Dezember 1975. Sehen durfte man ihn ab 16 – genau dieses Alter hatte ich, und nachdem ich ihn in einem Kölner Kino gesehen hatte, schrieb ich die erste Filmkritik meines Lebens, für Ausgabe Nummer 6 (Februar 1976) unserer Schülerzeitung am Gymnasium Köln-Chorweiler „Die Brille“.

Ich habe, als ich las, dass das alles ein halbes Jahrhundert her ist, das Blättchen, das im Keller vor sich hinmoderte (Ausgabe 1 bis 6 waren noch vollständig erhalten), hervorgekramt – und muss sagen: Nein, der Artikel war kein Frühwerk, das schon den eleganten Ton eines später renommierten Feuilletonisten (der ich nie wurde) erahnen ließ. Aber auch nicht so schlimm, dass er nicht doch eine gewisse naseweise Analysefähigkeit aufwies: Weiterlesen

Das „Zucken des sterbenden Systems“ – Rechtspostillen-Vibes

Es ist schon einige Tage her, aber ich muss immer wieder daran denken, obwohl es im Strom all dessen, was ich medial lese, längst von anderen „Aufregern“ verdrängt sein müsste.

Ich komme einfach nicht drüber hinweg. Ich habe in einer deutschen Zeitung, die immer noch zu den „seriösen Medien“ gezählt wird, etwas gelesen, was ich ungeheuerlich fand. Und immer noch ungeheuerlich finde.

Es war eigentlich nur ein Satz. Darin war die Rede vom „Zucken des sterbenden Systems“. Das löste meine Fassungslosigkeit aus. Moritz Eichhorn kommentierte am 30.12. in der „Berliner Zeitung“ die Debatte über Elon Musks Gastbeitrag in der „Welt am Sonntag“. Er kritisierte die Doppelmoral vieler Kritiker: Musk darf danach nicht in Deutschland die AfD zur Wahl empfehlen, weil er sich damit in den bundesdeutschen Wahlkampf einmische. Das durften doch aber auch Putin, Soros und Bill Gates: sich in deutsche Politik einmischen; und Ralf Stegner oder Luisa Neubauer rührten umgekehrt die Wahlkampftrommel für Kamala Harris.

Argumente, die man natürlich vorbringen darf. Was mich erschrocken machte, war der Ton des Kommentars: Vibes von Rechtspostillen aus der Hölle. Es ist für den Kommentator nicht einfach nur Weiterlesen

Rochen und andere Fische im Sea Life Aquarium 2012

Heute, am 16.12.2024, ist es es zwei Jahre her, dass das AquaDom in Berlin plötzlich geplatzt ist. Eine kleine Reminiszenz an einen Besuch im benachbarten Sea Life Aquarium und im Aquadom mehr als zehn Jahre vor dem Unglück. Die Rochen im Sea Life Aquarium hatten das Unglück aber überlebt.

Das Sea Life Aquarium wurde ein halbes Jahr später wieder eröffnet. Das AquaDom dagegen wurde, nachdem es vollständig zerstört gewesen war, nicht wieder aufgebaut.

 

Die schönsten Verbotsideen: Fremdsprachenverbot zu Hause (CSU 2014)

Vor zehn Jahren kam aus der CSU eine Idee: Migranten sollten nicht nicht nur bei der Arbeit, in der Schule oder sonstwo in der Öffentlichkeit deutsch sprechen, sondern auch zu Hause. Warum nicht? Man übt die Sprache und unterstützt seine Kinder bei ihrem Erwerb. Aber per VERbot? Oder auch „nur“ als GEbot? Damit zerstört man sich doch sehenden Auges das immer wieder und selten mit Beispielen unterlegte Narrativ der „Verbotspartei“, die man selbst um Gottes Willen nicht sein will. Denn diese andere Partei, die wir gar nicht nennen müssen, die uns alles verbieten will, bekommt frei Haus die Möglichkeit zur Replik geboten: „Wir Verbotspartei? Selber!“

Meine Radioglosse damals, am 8. Dezember 2014:

Meine Frau und ich reden manchmal zu Hause Schwedisch. Es ist kein richtiges Schwedisch, wir können es eigentlich auch gar nicht so richtig, aber es ist quasi unser Privat-Schwedisch – ein echter Weiterlesen

Wie schaut der „Globale Süden“ auf Russlands Angriffskrieg?

Bremsklotz Deutschland? Oder ist der Westen endlich einig bei Waffen für die Ukraine?

Putin lacht sich schlapp – Glosse vom 21. Juni 2018

Russland ist nur noch eine „Regionalmacht“, stichelte damals US-Präsident Barack Obama. Wirtschaftlich spielt Russland weltweit auch eher eine untergeordnete Rolle – da sind die USA, China, Europa wesentlich potentere Player. Wie kann man dennoch mit ihnen mithalten, wenn man nicht fähig ist, im Spiel der Mächte militärisch und wirtschaftlich mitzuhalten? Wem ich nicht mit verführerischen Produkten und anziehenden demokratischen Freiheiten entgegentreten kann, und nicht mal die Überlegenheit eines stärkeren kriminellen Schlägers habe, weil auch da die anderen gut gerüstet sind – dem bleibt als Mittel, den stärkeren Gegner zu zersetzen. Das ist die Kunst der Geheimdienste, der gut geplanten und raffiniert durchgeführten Verschwörungen. Wenn Wladimir Putin in einem erfolgreich war in den letzten Jahren, dann darin!

Diese Glosse schrieb ich vor vier Jahren für eine hr-info-Politiksendung. Ich will jetzt nur darauf hinweisen, dass der „Westen“ sich so um den 24. Februar 2022 darüber klar geworden ist, dass man sich solche Zersetzung und Gespaltenheit nicht leisten kann, wenn man einem brutalen und skrupellosen Geheimdienstler im Kreml entgegentreten will, der sein Nachbarland Ukraine völkerrechtswidrig überfallen hat. Weiterlesen