Das Abendland verblödet? Nein: Die AfD scheitert an Recht und Wissenschaft

Das Bundesverfassungsgericht hat entschieden: Das Personenstandsrecht muss  – neben „weiblich“ und „männlich“ – einen weiteren Eintrag in der Geburtsurkunde zulassen. Denn sonst sind Menschen, die weder männlich noch weiblich sind, benachteiligt. Die Richter erkennen, wie zentral für einen Menschen die geschlechtliche Identität ist:

Der Personenstand ist keine Marginalie, sondern ist nach dem Gesetz die „Stellung einer Person innerhalb der Rechtsordnung“. Der Personenstand umschreibt in zentralen Punkten die rechtlich relevante Identität einer Person. Die Verwehrung der personenstandsrechtlichen Anerkennung der geschlechtlichen Identität gefährdet darum bereits für sich genommen die selbstbestimmte Entwicklung„.

Im Grundgesetz steht eindeutig (Artikel 3, Absatz 3):

„Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden“.

Dieses Grundrecht gilt für jeden Menschen. Man kann nicht, weil ideologisch aufgeheizte Demagogen Weiterlesen

Gepflegtes Gespräch nach Hamburg – Phantasie 2

„Gute Tag, verehrte Freudin! Ich grüße Sie. Wie geht es Ihnen?“

„Lieber Freund – es geht so. Ja, es geht mir gut. Nur ein wenig innerlich aufgewühlt bin ich, wissen Sie.“

„Ja, das bin ich auch. Ich vermute, auch bei Ihnen ist es diese Gewalt beim G20-Gipfel in Hamburg“.

„Ja, es hat sehr viel damit zu tun. Es war furchtbar, und unfassbar, wie diese schwarzvermummten Menschen durch die Straßen zogen und Angst und Schrecken verbreiteten. Sie hatten Brandsätze in den Händen….“

„Ich glaube, manche nennt man bengalische Feuer….“

„Mag sein, ich kenne mich damit nicht aus. Auf jeden Fall bewegten sie sich wie Soldaten durch die Stadt, und sie wirkten auch so, als hätten sie irgendwie milittärische Erfahrung….“

„Sie finden das also auch nicht übertrieben? Sie mit Soldaten zu vergleichen“ Weiterlesen

Die Arte-Doku zum Antisemitismus: Handwerklich schlecht, überfrachtet und dadurch oberflächlich

Disclaimer vor der Kritik: Fehler sollte man einräumen

Ich habe kürzlich einen handwerklichen Fehler gemacht, als Journalist. Einen, den ich nicht als solchen empfand, und den ich bis heute als einigermaßen lässlich empfinde. Aber das ist vielleicht nur eine Ausrede mir selbst gegenüber, weil ich instinktiv weiß, dass ich es von vornherein besser hätte machen sollen:

Ich habe eine Radiosendung über die Europaabgeordneten der sieben deutschen Kleinparteien gemacht, die ins Parlament gekommen sind, weil es keine Sperrklausel bei Europawahlen in Deutschland gibt. Ich interviewte jeden, den ÖDP-Mann, die Freie Wählerin, die Piratenparteilerin, den von der Familienpartei, der „Partei“ und auch der NPD. Als ich den Vertreter der Tierschutzpartei fragte, warum er mittlerweile aus der Partei ausgetreten sei, sagte er mir, im Bundesvorstand der  Partei gebe es rechte Strömungen, und deshalb sei er ausgetreten. Das habe ich so in der Sendung wiedergegeben, und es war für diese Sendung nicht weiter wichtig, weil es gar nicht um die politische Ausrichtung der Tierschutzpartei ging, sondern um die Arbeit eines Kleinparteilers im Parlament: Wie einsam fühlen sie sich, welche Mitstreiter haben sie, können sie sogar manchmal im Verein mit anderen etwas im Parlament erreichen?

Kurz drauf erreichte mich eine Mail des Bundesvorsitzenden der Tierschutzpartei, der verlangte, wir müssten die Aussage seines Ex-Parteifreundes löschen: Denn es stimme nicht, dass es im Bundesvorstand der Partei rechte Strömungen gebe. Da fühlte ich mich erwischt: Obwohl es streng genommen aus meiner Sicht nicht wichtig war, weil es bei mir nicht um interne Konflikte der Tierschutzpartei ging, hätte ich korrekterweise die Ex-Partei des Abgeordneten fragen müssen, was sie von seinem Austritt und seiner Begründung hielten. Ich ärgerte mich ein wenig über mein unprofessionelles Versäumnis und habe das dann im Podcast der Sendung nachgebessert – nicht, indem ich die Äußerung löschte, sondern das Dementi des Parteichefs als Gegenposition zitierte.

Was spricht dagegen, die andere Seite zu fragen?

An meinen Mini-Fauxpas musste ich sofort denken, als ich eine Antwort von Joachim Schröder las, dem Macher der Arte-Doku über Antisemitismus in Europa, in der er meinte, er hätte nicht die Weiterlesen

Gepflegtes Gespräch nach Silvester – eine Phantasie

„Guten Tag, der Herr“

„Guten Tag, die Dame. Ich freue mich, Sie zu sehen – und sicher werden Sie und ich uns gleich wieder ein wenig streiten, denn Sie und ich – wir sind so oft anderer Meinung. Aber ich genieße es jedesmal, mich mit Ihnen auseinanderzusetzen, es ist so produktiv, so dass ich mich nach jedem Gespräch, das wir geführt haben, um neue Gedanken und Einsichten bereichert fühle“.

„Ich darf Ihnen dieses Kompliment zurückgeben. Es gibt doch nichts anregenderes für den Geist als so eine häufig doch herrlich kontroverse Diskussion mit Ihnen – vor allem, wenn man schon über die 50 hinweg ist, und in noch etwas weiterer Ferne, aber immerhin schon ahnbar, die Altersdemenz droht,“.

„Haben Sie die neuerlichen Geschehnisse in Köln mitverfolgt? In der Silvesternacht? Es ist ja diesmal Weiterlesen

Schöne Geschenke

geschenk

Ein Versuch in Politischer Unkorrektheit

Gut, dass es die Achse des Guten gibt. Diese analysestarken und scharfzüngigen Menschen sind letztlich die einzigen denkenden Menschen in diesem Lande, die es schaffen, das unwesentliche in unserem verblödeten öffentlichen Diskurs beiseite zu räumen und unseren Blick auf das zu lenken, was wirklich zählt. Was uns wirklich bewegen sollte, welche Gefahren für den Fortbestand unserer demokratischen und rechtsstaatlichen Errungenschaften drohen. Und unserer deutschen Nation.

Dazu braucht es Mut, unkonventionell und mutig gegen den Strich zu bürsten. Intellektuelle Wagnisse einzugehen. Sich nicht von kontaminierten Begriffen davon abhalten zu lassen, dem Wesentlichen, dem Eigentlichen, dem Zentralen auf den Grund zu gehen – letztlich: die geschundene Wahrheit zu entdecken – soweit das möglich ist. Weiterlesen

CDU-MdB Bettina Kudla – Umvolkung in die AfD?

Die sächsische CDU-Bundestagsabgeordnete Bettina Kudla hat heute morgen getwittert:

Das Wort „Umvolkung“ ist ein Begriff, der ohne irgendeinen vernünftigen Zweifel eindeutig rechtsextremistisches Gedankengut transportiert. Es ist ein Begriff aus der nationalsozialistischen Volkstumspolitik. Es ist auch der Titel eines Buches von Akif Pirrinҫi, das ich leider vergessen habe, zu lesen. Eine CDU-Bundestagsabgeordnete benutzt ganz unbekümmert – oder soll man sagen: ungeniert? – diesen hochideologisch aufgeladenen Begriff.

Es gibt, so wie für den Begriff „völkisch“, in unserer heutigen schönen Muttersprache keine Möglichkeit, „Umvolkung“ neutral oder sogar mit positiver Konnotation zu verwenden. So, wie es für den CDU-Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann am 3. Oktober 2003 eigentlich auch keine akzeptable Rechtfertigung dafür gab, zu sagen, Juden und Deutsche seien beide jeweils kein Weiterlesen

Mark Twains „Good man“ – ist das wirklich der „Gutmensch“?

Das Thema des Begriffes „Gutmensch“, den es so wohl nur in der deutschen Sprache gibt, seine geistige Tradition und die Frage, inwiefern es kein Zufall ist, dass er vor allem im rechten Milieu verwendet wird, beschäftigt seit einigen Jahren viele Menschen. Viele haben versucht und versuchen noch, seine Wurzeln zu finden. Herauszufinden, wann das exakte Wort „Gutmensch“ erstmals verwendet wurde, und wann und wie es in der Sprache auftauchte. Es werden immer wieder neue Fundstellen entdeckt, und wer heute drüber schreibt, fühlt sich etwas später dazu gedrängt, seinen Artikel zu aktualisieren. Matthias Heine etwa hat seinen Artikel in der „Welt“ aus dem März 2015 im Januar 2016 aktualisiert: Er hatte z.B. zwischenzeitlich herausgefunden, dass das Wort „Gutmensch“ 1825 als deutsche Übersetzung des heiligen „Homobonus“ auftauchte. Und dass die Katharer, französische Ketzer des Mittelalters, sich „Bonhommes“ nannten, was sich mit „Gutmenschen“ übersetzen ließe.

Mich hatte eine Äußerung des Philosophen und Medienwissenschafters Norbert Bolz nicht losgelassen, auch einem, der „politischen Moralismus“, „Sprachtabus“, „Sprachhygiene“ und „Political Correctness“ schlimm findet. Er zitierte genüsslich Mark Twain:

Die schönste Definition des Gutmenschen. Von Mark Twain: Der Gutmensch ist ein guter Mensch von der schlimmsten Sorte.“

Diesen Satz von Mark Twain findet man häufiger zitiert. Allerdings habe ich niemals eine Quelle Weiterlesen