Schattenschritte zu Füßen der EZB (Frankfurt am Main)
Autor: Christoph Käppeler
77 Jahre nach der Deportation hessischer Sinti; 40 Jahre nach dem Hungerstreik von 12 Sinti in Dachau:
Roma und Sinti sind in Europa massiv bedroht.
77 Jahre, nachdem hessische Sinti von den Nationalsozialisten in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau verschleppt worden sind, warnen deutsche Sinti und Roma in der Corona-Krise vor einer europaweiten Katastrophe, die Hundertttausende Leben fordern könnte.
„Roma und Sinti stellen mit über 10 Millionen Menschen die größte ethnische Minderheit Europas dar. Die Angehörigen der Minderheit sind derzeit massiv bedroht“, heisst es auf der Seite des Verbandes deutscher Sinti und Roma, Landesverband Hessen. In Bulgarien seien in den letzten Tagen mehrere Stadtviertel abgesperrt worden, in denen Menschen mit Roma-Hintergrund leben. Dabei sei auch mit dem Gerücht operiert worden, dass Roma das Corona-Virus in Bulgarien eingeschleppt hätten.
Über diese große und besondere Risiko-Gruppe spricht man in der Öffentlichkeit kaum. Das Desinteresse an ihnen hat sicherlich mit der jahrhundertelangen Verachtung und Diskriminierung von Sinti und Roma zu tun. Die schließlich dazu führte, dass die Nationalsozialisten sie, genauso wie Juden, als „minderwertige Rasse“ planmäßig gezielt vernichten, sprich: ermorden wollten.
Vor 77 Jahren, im März 1943, wurden Sinti aus vielen Hessischen Städten mit Zügen deportiert. Die meisten von ihnen überlebten das KZ nicht. Zwei Schwestern aus Fulda, die zu den wenigen gehört hatten, die das Grauen überlebt hatten, haben mir 1994 und 2005 erzählt, was ihnen damals angetan wurde. Eine von ihnen war Amalie Guthermuth, über die ich damals einen Hörfunk-Beitrag gemacht habe. Ich habe nun eine wesentlich ausführlichere Version dessen, was sie mir erzählt hat, hier eingestellt. Auch ihr Zeugnis und ihr Schicksal sollten dokumentiert bleiben und nicht in Vergessenheit geraten.
Lange Zeit war der Holocaust an Sinti und Roma nicht einmal anerkannt worden. Heute genau vor 40 Jahren traten deshalb 40 Sinti in den Hungerstreik:
Heute vor 40 Jahren, am 4. April 1980, traten 12 Sinti in einen Hungerstreik im ehem. Konzentrationslager #Dachau um gegen #Rassismus in Deutschland und für die Anerkennung des Holocaust an #Sinti und #Roma zu protestieren. #Antiziganismus https://t.co/bodvlCWwb7 pic.twitter.com/QuobWenutb
— Zentralrat Deutscher Sinti und Roma (@ZR_SintiRoma) April 4, 2020
Der Antiziganismus, der zum Massenmord an Sinti und Roma durch die Nazis führte, ist nie verschwunden und führt nicht nur in Osteuropa, aber vor allem dort dazu, dass den dort lebenden Roma Grundrechte verwehrt werden: Weiterlesen
Fuldaer Kräppel und fetter US-Schinken
Das Ende des 2. Weltkriegs in Fulda – heute vor 75 Jahren.
Ende März, Anfang April rückten die US-Truppen in Hessen immer weiter nach Osten vor. General Georg S. Pattons Truppen kamen durch den Taunus und den Vogelsberg. Kurz vor Ostern 1945, das auf den 1. April fiel, marschierten sie in Fulda ein. Schon am Karsamstag, also am 31. März, hatten sie die Vororte der Stadt erreicht.
Damit war der 2. Weltkrieg in Fulda zu Ende.
Im Jahr 2005, als sich das Kriegsende in Fulda zum sechzigsten Mal jährte, habe ich mit Menschen gesprochen, die diese Befreiung von der Nazi-Herrschaft miterlebt hatten.
Maria Mahr war 1945 12 Jahre alt. Sie wohnte in der Königstraße in Fulda. Weiterlesen
Das zynische Spiel mit den Flüchtlingen
In hr-info Politik heute 21:35 Uhr: "Das zynische Spiel mit den Flüchtlingen". Schon jetzt – und länger – als Podcast. Mit @FranziEire, @SenzK_, @anne_baier und Marianna von Zahn von @WorldVisionSR: https://t.co/MWhnqWTQRt via @hrinfo
— Christoph Käppeler (@CKaeppeler) March 6, 2020
Nach dem Massenmord von Hanau: Zurück zur Tagesordnung?
Eine Woche nach Hanau: Zurück zur Tagesordnung? In der hr-info-Politikredaktion wollten wir darüber reden und diskutieren: @SandraCMueller, @sara_jasmin, @ChristophScheld, @anne_baier, @CKaeppeler. Ab sofort als Podcast, Radio: heute 21:35 Uhr https://t.co/Ain8bCBU6P via @hrinfo
— Christoph Käppeler (@CKaeppeler) February 28, 2020
Über ein Hufeisen gestolpert?
Das Hufeisen und die Ausschließeritis – hr-info Politik – heute um 21:35 Uhr und Wiederholungen Sa und So – aber schon jetzt in einem viel längeren Podcast! Mit @kittyannesummer und @nickbusch2. https://t.co/6UDXPHi1y0 via @hrinfo
— Christoph Käppeler (@CKaeppeler) February 14, 2020
„in orbit“ und „ON AIR“: Netze spinnen wie die Spinnen
Tomás Saracino in Düsseldorf und Paris (Gefilmt mit einem S8)
Tomás Saraceno wurde 1973 in San Miguel de Tucumán in Argentinien geboren. Er lebt in Berlin. Seine Werke entstehen „in intensiver Auseinandersetzung mit biologischen und physikalischen Erkenntnissen, die er sich für seine ambitionierten Projekte zunutze macht“. Besonders intensiv beschäftigt er sich mit Spinnennetzen. Zur Vorbereitung seiner spektakulären Netzkonstruktion „in orbit“ unter der Kuppel des Ständehauses K 21 in Düsseldorf setzte Saraceno verschiedene Spinnenarten nacheinander in Vitrinen und beobachtete ihr Vorgehen. Auch im Palais de Tokyo in Paris spannte Saraceno riesige Spinnennetze, durch die sich die Menschen bewegen konnten, so wie sie in Düsseldorf 25 Meter unter der riesigen Glaskuppel herumklettern können.
„Wenn mir das nötig erschien, habe ich mich angelegt, ja!“
Die Jugendbuchschriftstellerin Gudrun Pausewang ist gestern, Donnerstag, 23. Januar 2020 verstorben.
Gudrun Pausewang wurde 91 Jahre alt und starb an ihrem Altersruhesitz im bayerischen Bamberg.
1999 habe ich Gudrun Pausewang bei sich zu Hause in Schlitz (Vogelsbergkreis, Hessen), wo sie damals wohnte, interviewt. Es war damals für mich nicht weit, da ich unweit davon, in Fulda, lebte und arbeitete. Sie bekam am 4. November 1999 vom damaligen Hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) das Bundesverdienstkreuz überreicht, und ich sprach vorher mit ihr, um dann am Tag der Verleihung einen Beitrag über sie zu machen. Das ca. 14 Minuten lange Gespräch mit ihr habe ich noch; es ist kein richtiges Interview, meine Fragen sind also nicht fürs Senden gedacht gewesen, und gegen Schluss fehlen sie manchmal, weil ich sie etwas fragte und dann erst das Aufnahmegerät wieder anschaltete. Aus dem Gespräch schnitt ich dann für meinen Hörfunkbeitrag nur einige wenige O-Töne heraus.
Gespräch mit Gudrun Pausewang 1.,2., oder 3. November 1999:
Text meines Beitrages vom 4. November 1999: Weiterlesen
„30 Sekunden, zehn, neun, acht. Plötzlich bumm. Sie sind weg, Sir!“
Gezielte Tötungen – Heimtückischer Mord oder zulässiges Mittel im Kampf gegen Terror? „hr-info Politik“ heute 20:35 Uhr, Sa 7:05, 19:05, So 11:35 Uhr und jetzt schon als Podcast – länger als die Sendung! https://t.co/Vp6r7hdsNm via @hrinfo
— Christoph Käppeler (@CKaeppeler) January 23, 2020
Fichte, gute Drinks und Feinschmecker: Wird Hermann L. Gremliza posthum Liebling des Bildungsbürgers?
Wird Hermann L. Gremliza posthum Liebling des Bildungsbürgers?
Hoffentlich denkt das kulturliebende Bildungsbürgertum, das immer schon ein klein wenig toleranter gegenüber schöngeistigen Linken war als der Rest der konservativen FAZ-Leser, jetzt nicht: „Na, das war schon ein ganz schön radikaler Linker. Aber jetzt ist er tot, und er hat so herrlich kritisch und Weiterlesen