Fuldaer Kräppel und fetter US-Schinken

Das Ende des 2. Weltkriegs in Fulda – heute vor 75 Jahren.

Ende März, Anfang April rückten die US-Truppen in Hessen immer weiter nach Osten vor. General Georg S. Pattons Truppen kamen durch den Taunus und den Vogelsberg. Kurz vor Ostern 1945, das auf den 1. April fiel, marschierten sie in Fulda ein. Schon am Karsamstag, also am 31. März, hatten sie die Vororte der Stadt erreicht.

Damit war der 2. Weltkrieg in Fulda zu Ende.

Im Jahr 2005, als sich das Kriegsende in Fulda zum sechzigsten Mal jährte, habe ich mit Menschen gesprochen, die diese Befreiung von der Nazi-Herrschaft miterlebt hatten.

Maria Mahr war 1945 12 Jahre alt. Sie wohnte in der Königstraße in Fulda.

 “Eines Nachts, es war Vollmond, es war sehr hell – das ist immer ja vor Ostern – da wurden wir von Motorengeräusch geweckt: Da fuhren so kleine Panzer durch die Königstraße, so kleine flache Dinger. Da saßen lauter Soldaten in schwarzer Uniform darauf. Ich glaube, das war Waffen-SS. Und die waren auf dem Rückzug  …auf dem Rückzug”.

Vom Vogelsberg aus beschossen die Amerikaner die Stadt mit Geschützen, Tiefflieger überflogen die Stadt, erinnert sich die damals 17jährige Anni Busch:

„Und dann sind wir immer wieder reingesprungen, wenn die Flieger kamen, denn die kamen ziemlich tief und die haben auch geschossen.”

Am Karfreitag war Maria Mahr im Luftschutzkeller – als sie gerade ein Fenster aufmachen sollte, wegen der schlechten Luft:

 „In dem Moment: Ein Schlag, ich flog zurück: da haben sie in Fulda die Brücken gesprengt. Das waren aber die Deutschen.“

Seit dem frühen Karsamstagmorgen beschossen die Amerikaner mit schwerer Artillerie die Stadt. Fulda-Horas wurde erobert, dann der Frauenberg.

Nur wenige Fuldaer trauten sich in den Fuldaer Dom – dort wurde in der Bonifatiusgruft ein Ostergottesdienst gefeiert.

Der deutsche Gefechtsstand war in der Hauptwache nahe dem Fuldaer Dom. Bürger setzten sich beim Kommandanten Generalmajor Hoffmann dafür ein, die Stadt kampflos zu übergeben. Theo Heurich war 16 Jahre alt; er war mit seinen Eltern in einem Bunker im Stadtteil Neuenberg:

„Am Ostersonntag kam der erste Amerikaner, alleine, durch die ‚Sauhohl‘, haben wir gesagt: Das ist so eine Hohle, wo der BUnker seitlich in den Berg gegraben wurde. Wir gingen dann raus – 16 Jahre und immer neugierig. Vater sagte: ‚Nein, bleib hier, wer weiss, was passiert‘. Und da kam der da runtergelaufen, kam auf uns zu, mit meinen einfachen Englischkenntnissen konnten wir uns da einen Moment schon verständigen“.

Während des Ostersonntags drangen immer mehr Amerikaner in Richtung Innenstadt vor. Aber erst am Ostermontag morgen erschienen die ersten Amerikaner vor der Hauptwache – und die deutschen Offiziere ergaben sich.

Anni Busch:

„Jedenfalls waren die dann in den Straßen und sind in die Häuser, von Keller bis Boden alles kontrolliert: Wahrscheinlich, ob sich da jemand versteckt“

Maria Mahr – sie heißt heute Schwester Edelgard Mahr und ist Nonne bei den Maria Ward-Schwestern:

„Mutter hatte schon lange vorher die Hitlerfahne, die man ja haben musste, so ein Fähnchen, das hat sie verbrannt und hat dann diese Stange genommen und hat eine weisse Stoffserviette daran befestigt und zum Fenster rausgehangen“

Theo Heurich erinnert sich:

„Die eine Familie in Neuenberg, die hatte irgendwo Fett aufgetrieben und die fingen an vor lauter Freude und backten Kräppel, Fuldaer Kräppel. Und im Moment waren die Amis dadrin, und haben mit uns die ersten Kräppel gegessen. Und wir haben von ihnen die großen Schinkendosen organisiert und haben gleich da mit ihnen die ersten Tauschgeschäfte gemacht“

Am städtischen Friedhof lagen noch Wehrmachtstruppen, eine ungarische Einheit auf dem Gelände der Gummiwerke Fulda. Oberbürgermeister Danzebrink schaffte es sie dazu zu bewegen, die Stadt zu verlassen – denn sonst, so hatte ein amerikanischer Offizier ihm gedroht, hätten sie Fulda wieder verlassen und doch noch bombardiert.

Bei Theo Heurichs Eltern und in vielen Häusern wurden nach diesem Ende des Krieges amerikanische Soldaten einquartiert.  Sie blieben etwa zwei Wochen lang, dann zogen sie weiter. Der Vormarsch ging Richtung Thüringen. Später dann wurden die Amerikaner dauerhaft in Fulda stationiert. Bis 1994 standen sie dort, um das sogenannte Fulda-Gap zu beschützen, falls dort die Warschauer-Pakt-Truppen durchgebrochen wären – was niemals geschehen ist.

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