Ein Doppelname – hihi!

Der arme Bernd Stelter. Das muss ihn wie aus heiterem Himmel erwischt haben! Ein Witz über einen Doppelnamen, den eine Frau trägt: Das war doch bisher immer ein leicht einkassierter und gesellschaftlich von links bis rechts akzeptierter Brüller. „Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Prust! SLS, krrr! Gabriele Lösekrug-Möller Hahaha! Sigrid Skarpelis-Sperk. Triple-S, Dreifach-ROFL!“ Dem lach- und klatschbereiten Publikum konnte man damit immer ein kleines Vergnügen bereiten, das Schenkelklopfen und Sichwegschmeißen darob war meisten schon längst wieder abgeklungen, bevor das Gehirn an die Lachmuskeln melden konnte:

„Achtung, hallo! Fake-Pointe! Der Witzemann da oben hat nichts gemacht! Doppelnamen sind für sich gar nicht witzig!“

Doppelnamen sind nur dann witzig, wenn sie ausnahmseweise komisch klingen: „Peter Faul-Pelz“, wenn Peter Faul wirklich mal irrerweise Andrea Pelz geheiratet haben sollte. Das ist allerdings eher ein Vergnügen für die engere Umgebung des Ehepaars Faul-Pelz, das selber darüber herzlich lachen könnte, vielleicht bei vielen „Kleinen Feigling“ mit Freunden im Hobbykeller. Vielleicht darf man es auch mal lächelnd genießen, wenn der Name (mit erlesenen Vornamen veredelt) etwas von einem sprachlichen Kleinod hat: Oda Gebbine Holze-Stäblein.

Und in Ausnahmefällen haben Bindestrichnamen sogar einen kleinen satirischen Nutzen mit aufklärerischer Note: Max Uthoff durfte, finde ich, auf der Bühne sagen, dass er sich über eine Heirat von Hubert Heil mit Alexander Gauland gefreut hätte, einfach wegen des daraus entstehenden Doppelnamens.

Aber war es nicht tatsächlich bisher so? Doppelnamen, vor allem bei Frauen, waren gesellschaftlich als lustig anerkannt. Doppelnamen waren typisch für einen bestimmten, im gemütlich-beharrlichen Milieu nicht sonderlich gemochten Typus: Erfolgreiche Frau, z.B. als Schulleiterin („natürlich“ wahrscheinlich einer Gesamtschule), Amtsleiterin, vielleicht Chefin eines kommunalen Dienstleistungsunternehmens oder Vorsitzende eines SPD-Stadtverbandes, einer Grünen-Fraktion im Kommunalparlament oder als Vorsitzende der Evangelischen („glucks!“) Familienerholung, wie Gabriele Lösekrug-Möller (SPD), die auch mal Staatsekretärin im Bundesarbeits- und Sozialministerium war.

Die weitaus meisten Doppelnamen fanden sich allerdings lange bei FDP-Frauen.

Bevor dann die Harald Martensteins das Thema für sich entdeckten, war es, wie immer, erst einmal das aufgeschlossene, linksliberale Lager selbst, das sich lustig machte. Keine Schonung für Frauen, die mehr oder weniger doch politisch ähnlich tickten: Im Obergeschoss einer Ausstellung über 30 Jahre „titanic“ hatte man 2010 ein Denkmal errichtet, „auf dem Hunderte von Eckhard Henscheid verdammte Doppelnamen deutscher Frauen aufgelistet“ waren.

Das „linke“ Kabarett, das seinesgleichen durchaus mit Selbsthumor auf die Schippe nehmen kann, hat das Vergnügen über meist von linken, liberalen oder grünen Frauen getragene Doppelnamen gerne mal geteilt.

Aus dieser Alt-Politkabaretttradition scheint z.B. ein weiland glänzender Kohl-Imitator weiter zu schöpfen, auch in einem neuen Programm:

„Ein genialer Thomas Freitag seziert, spielt perfekt diverse Rollen, vom protestantischen Attentäter aus Schwaben, auf den im Himmel 36 Sozialpädagoginnen mit Doppelnamen warten… (etc.)“

Stimmt: Die Sozialpädagoginnen mit Doppelnamen, ein seit Jahrzehnten unermüdlich belächeltes Phänomen: Man kann aber auch nach so langer Zeit einfach nicht umhin, darüber (emanzipiert und modern seiende Frau will trotzig ihren Status als dem Manne gleichberechtigte beweisen und legt sich nach der Heirat einen Doppelnamen zu) immer wieder erneut zu staunen und dann zu lachen.

Obwohl: Doch, man kann. Umhin. Vor allem, wenn man merkt, dass die belustigte, mit einer amüsierten Überheblichkeit vorgetragene Lächerlichkeit des Doppelnamens mittlerweile von jedem irgendwann mal festgestellt worden ist, und damit sozusagen aktenkundig ist und nicht jedesmal, wenn es um Sozialpädagoginnen, weibliche evangelische Führungskräfte oder sozialdemokratische MdBs geht, wieder erwähnt werden muss. Und: Wer heute, 2019, eine Büttenrede schreiben will, kann, wie der Fall Stelter beweist, nicht mehr unwidersprochen das abgedroschene Klischée bedienen: „Emanzen mit Doppelnamen“ – das sind eben nicht mehr nur die „Emma“- oder TAZ-Leserinnen, die eh nicht auf so was spießiges wie eine Fastelovends-Sitzung gehen: Sondern auch brave CDU- Frauen, wie Annegret Kramp-Karrenbauer, die selbst auch mal als Putzfrau in die Bütt geht. Und dann eben mal, wenn ein dem Zotigen nicht abgeneigter Spaßmacher was gar nicht mal so lustiges über Doppelnamen sagt, nicht amüsiert sind.
Denn seit den 70ern ist die Zahl der Doppelnamen-Trägerinnen und -träger vielleicht nicht unbedingt gewachsen (weil frau und man seit 1993 sowieso jede(r) ihren/seinen Namen behalten kann), aber: Das vorher als links-liberaler Brauch in konservativen Kreisen diskreditierte Führen eines Doppelnamen ist mittlerweile auch dort immer mehr verbreitet: Prominentestes Beispiel eben Annegret Kramp-Karrenbauer. Aber auch in der CDU gibt und gab es weitere: Roswitha Müller-Piepenkötter, Anett Kleine-Döpke-Güse und sogar in der CSU Kerstin Schreyer-Stäblein.

Political incorrecte Beobachter unserer gesellschaftlichen Entwicklung haben sich schon immer das Recht genommen, weibliche Doppelnamen apodiktisch als Gegenargument gegen die politische Denkweise ihrer Trägerinnen anzusehen: „Emine Demirbüken-Wegner im Bundesvorstand der CDU – bei dem Namen ist doch klar, was von der zu halten ist“ (Symbol-Zitat, von mir erfunden). Der großartige Harald Martenstein hatte erkannt: „Ein Doppelname ist eine bewusste namenspolitische Entscheidung„. Und zwar eine Entscheidung für mehr…. bzw. dafür, dass…., oder besser: um…. -Eben! Eine Entscheidung irgendwas mit dem Namen.

Tärätära!

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