Gretas heimliche Bewunderer

„Die Unfähigkeit, vieler Medien, in der Berichterstattung über Greta Thunberg wenigstens handwerkliche oder intellektuelle oder politische Mindeststandards einzuhalten, ist mir schleierhaft und am Ende deprimierend“, sagt Georg Diez bei Twitter, und eröffnet damit einen Thread, in dem er im folgenden dann die „Süddeutsche Zeitung“ dafür geisselt, dass sie Greta Thunberg und Donald Trump als einander „ähnlich“ bezeichnet, weil sie „neu, medienwirksam und unkonventionell daherkommen“.

Mir geht es ziemlich genauso – genauso schleierhaft und deprimierend ist für mich die Aggression gegen eine 16jährige junge Frau, die einfach nur etwas formuliert, was jeder andere auch tut, der ebenfalls denkt, man müsse wirklich einfach konsequent das umsetzen, was viele kompetente Leute zum Klimawandel erforscht, herausgefunden und dann in konkrete Vorschläge umgesetzt haben.

Stattdessen ergehen sich erwachsene Menschen in einer infantilen Häme oder einer genauso gemeinen angeblichen Fürsorge für sie, als gehe es hier nicht um wirklich gutgemeintes und auch wirklich nötiges Politikhandeln, sondern um ein x-beliebiges folgenloses Nichtmögen eines bestimmten Menschen.

Greta ist nunmal die Ikone dieser Bewegung geworden, warum denn nicht? Am erbärmlichsten finde ich persönlich die Leute, die denken: „Guck mal, diese blöde ‚heilige Greta‘, weil ich die so grotesk verehrt finde, ärgere ich sie einfach mal und denke das Gegenteil vom Klimawandel; blase fröhlich den dreckigsten Diesel in die Welt („Fuck you Greta“, hahahaha) und sage mir: Tja, Pech gehabt, Kampf gegen den Klimawandel: warum bietest Du mir diese Greta? Bei einer anderen hätte ich mich vielleicht beteiligt!“

Von einer Webseite namens „Jihad Watch Deutschland“

Das sind tendenziell die passiven Untertanen-Typen, die, die alles mal kommen lassen; dieses konsumieren, jenes blöd finden und sich gerne immer nur beschweren, anstatt, wenn ihnen was nicht passt, mit machbaren und überzeugenden Gegenvorschlägen zu kommen und es einfach besser zu machen.

Mein Verdacht: Ganz heimlich sind es nämlich gerade solche Greta-Basher ohne eigene begründete Haltung, die in ihr eine Autorität sehen, an der sie sich dann emotional negativ abarbeiten. Um das nicht zugeben zu müssen, projizieren sie diese heimliche Bewunderung ihres Hass-Objektes auf die, die sich gemeinsam mit ihrem Aushängeschild Greta für konsequentes Handeln gegen die Erderwärmung engagieren – ganz relaxed und ohne in der Mitkämpferin ein besonderes, über ihnen stehendes Wesen zu sehen – wie es ihnen die Basher unterstellen.

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