Gegen Flüchtlinge und Judenhass – Mossad-Legende lobt AfD

Für Ex-Mossad-Offizier Eitan ist die AfD – die „große Hoffnung für Deutschland und Europa“.
Kritik und Unverständnis kommt aus Israel; die AfD freut sich über Zuspruch

Die Jerusalem Post von heute berichtet darüber, dass der ehemalige Mossad-Offizier Rafael Eitan die „German nationalist ultra-right party AfD“ gelobt hat, und zwar in einer Videobotschaft an eine Veranstaltung der AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag:

„“The AfD is a great hope for many people, not only in Germany, but also for us in Israel and in many Western countries, above all in order to stop the false and dangerous policy of open borders. The policiy of open borders destabilizes the whole world.”

Die AfD sei eine große Hoffnung für viele Menschen, nicht nur  in Deutschland, sondern auch in Israel und vielen westlichen Ländern.Vor allem, um die falsche und gefährlliche Politik der offenen Grenzen zu stoppen. Die Politik der offenen Grenzen „destabilisiere die ganze Welt“.

Rafael Eitan, heute 91 Jahre alt, hatte die Operation geleitet, bei der Adolf Eichmann in Argentinien gefangen und nach Israel gebracht worden war, wo er vor Gericht gestellt, und am Ende wegen seiner Verantwortung für die Deportation und Ermordung von 5 Millionen Juden zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde.

Die „Jerusalem Post“ zitiert Eitan weiter:

„‚Islamic antisemitism today is aggressive and threatens not only Jews, but also Christians and all peaceful citizens. This ideology is incompatible with an open and peaceful society like today’s Germany,‘ criticizing Chancellor Angela Merkel’s decision to allow over a million asylum seekers into the country“.

Der heutige islamische Antisemitismus sei „aggressiv und bedrohe nicht nur Juden, sondern auch Christen und alle friedlichen Bürger“. Diese „Ideologie“ sei „inkompatibel mit einer offenen und friedlichen Gesellschaft, wie es das heutige Deutschland sei“.

Dass Antisemitismus nicht kompatibel mit der deutschen offenen und friedlichen Gesellschaft ist, hieße ja, dass es erst neuerdings, nämlich durch Flüchtlinge islamischer Religion, Antisemitismus in der Bundesrepublik gibt.

Das ist offensichlich nicht der Fall. Aggressiven Antisemitismus gab es im Nachkriegsdeutschland schon immer. Die heutige Verbrechensstatistik zeigt, dass die meisten erfassten antisemitischen Straftaten nach wie vor von rechten Deutschen begangen werden.

Als ich mich nach einer Veranstaltung der Jüdischen Gemeinde Frankfurt am 29.11.2017 mit Marc Grünbaum vom Vorstand der Gemeinde unterhielt, drückte er dabei seine große Sorge über die AfD aus:

Zum Holocaust-Gednkentag am 27. Januar sagte Charlotte Knobloch, die frühere Vorsitzende des Zentralrates der Juden in Deutschland in der Passauer Neuen Presse:

«Es schmerzt, dass in Deutschland eine Partei drittstärkste Kraft werden konnte, die in ihren Reihen nicht nur Geschichtsklitterung und Antisemitismus duldet, sondern auch Rassismus, Rechtsextremismus und völkischen Nationalismus»

Dass ausgerechnet in der Partei, in der Eitan einen guten, starken Verbündeten gegen den Antisemitismus in Deutschland und in ganz Europa sieht, selbst starker Antisemitismus festzustellen ist, schien Rafael Eitan nicht gewusst zu haben – es stört ihn aber offensichtlich nicht. Die Jerusalem Post zitiert die Zeitung Yediot Aharonot. Nach der war es „Rafi Eitan nicht bewusst, dass AfD-Mitglieder antisemitische Kommentare abgegeben hatten und er stellte klar, dass ihn die Verbindungen von AfD-Mitgliedern zu Nazis nicht besorgt machten“.

Andere in Israel aber schon:

 

„Traurig und beschämend“ nannte Israels Botschafter in Deutschland, Jeremy Issacharoff, die Äußerungen Eitans. „Ich widerspreche Rafi Eitans Aussagen vollständig“, twitterte der Botschafter, und meinte: „Ich kann es mir schwer vorstellen, wie der Mann, der Eichmann gefangen hat und vor Gericht in Israel gebracht hat, Deutsche loben kann, die stolz auf die Nazi-Vergangenheit sind und hofft, dass solche Ansichten eine Alternative für Europa sein könnten“.

Der Tweet wurde auch von anderen israelischen Botschaften geliked und retweeted, und auch vom Sprecher des Außenministeriums Emmanuel Nachshon.

Der AfD-Bundestagsabgeordnete Götz Frömming antwortete:

Er kenne niemanden in Deutschland, der stolz auf die Nazivergangenheit sei. Nur fallen da mittlerweile jedem in Deutschland mindestens diese Beispiele ein:

So machte AfD-Mitglied Wolfgang Gedeon, Landtagsabgeordneter in Baden-Württember, das Judentum als „inneren“ und den Islam als „äußeren“ Feind des „christlichen Abendlandes“ aus. Das Judentum arbeite „an einer Versklavung der Menschheit“, usw. Die offensichtlich gefälschten „Protokolle der Weisen von Zion“ hält Gedeon „eher nicht“ für eine Fälschung.

Will Björn Höcke nicht endlich wieder „Denkmäler statt Mahnmale“ in Deutschland, denn, wie er beim Treffen des rechten Flügels der auch sonst rechten AfD am Kyffhäuser rief: „Vergangenheitsbewältigung lähmt ein Volk!“?

Wollte Alexander Gauland nicht wieder stolz auf die Wehrmacht sein, die den Krieg Hitlerdeutschlands nach ganz Europa brachte und so der SS und der SA den Zugriff auf die meisten Juden Europas verschaffte und die den Massenmord an ihnen willig unterstützte?

Und auch, dass zahlreiche AfD-Bundestagsabgeordnete ein Ende des „Schuldkultes“ fordern, belegt nicht gerade, dass die Shoah, der millionenfache Mord an Juden, von der AfD wirklich ernsthaft als die moralische Katastrophe und das abgrundtief böse Verbrechen gewertet wird, die sie war.

Natürlich freut sich die AfD über Rafael Eitans Äußerungen und fühlt sich durch sie bestätigt. Weil er ja auch ihre Haltung gegenüber Flüchtlingen vor Krieg und Verfolgung teilt:

“Ich wünsche mir aus tiefstem Herzen, dass Sie stark genug sind, die Politik der offenen Grenzen zu beenden, die weitere Islamisierung Ihres Landes zu stoppen und Ihre Bürger vor Terrorimsus und Verbrechen zu beschützen. Lasst uns dies zusammen tun“.

Allerdings kann es sich nicht durch das bestätigt fühlen, was die Auschwitz-Überlebende Anita Lasker-Wallfisch am 27. Januar 2018 am Holocaust -Gedenktag im Bundestag gesagt hat:

«Ich finde, dass Frau Merkel 2015 einen sehr mutigen Schritt gemacht hat, als sie die Grenzen für die Flüchtlinge geöffnet hat. Ich befürchte aber auch, dass dieser Schritt wieder das Schlimmste in den Deutschen hervorgebracht hat.»

Und dieses „Schlimmste“, nachdem so viele Flüchtlinge nach Deutschland gekommen waren – das wurde offenbar nicht nur in einem Teil der Deutschen hervorgebracht, sondern auch anderswo. Und das zu verstehen, fällt oft sehr schwer.

 

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