Unverträgliche Spins (2)

Der US-Ölkonzern Exxon startet mit dem russischen Unternehmen Rosneft gemeinsam, wie schon länger geplant, Ölbohrungen in der Arktis. Rosneft und dessen Chef Igor Setschin stehen auf der „schwarzen Liste“ jener Firmen und Manager, gegen die die USA Sanktionen verhängt haben.

Hier prallen zwei Botschaften („Spins“) aufeinander, die von Spielern auf der politischen Bühne immer wieder ausgesendet werden, damit sie sich in den Köpfen verankern: Weiterlesen

Bosheit aus der Blase

Twitter Selbstverzwergung„Wundervoll“?

Wie sehr leben doch Politiker in ihrer eigenen Blase, in der das Wort „Selbstverzwergung“ schon als ein Höhepunkt an kreativer Pointiertheit  und genau den Kern treffende Polemik angesehen wird. Dabei ist doch – von außerhalb der Blase betrachtet – dies nur eine der ganz normalen Bosheiten, die man nun mal unter politischen Rivalen, Gegnern oder Feinden untereinander austauschen zu müssen glaubt. Eine Bosheit, kurz getwittert, und schon wieder vergessen. Eine Bosheit für Routine-Pressemitteilungen, die herumgemailt werden und meist gleich wieder gelöscht werden.

Das Wort „wundervoll“ bleibt hoffentlich davon unbeschädigt und steht weiter zur Verfügung, um Dinge oder Worte zu bezeichnen, die wirklich einen unschuldig schönen Zauber an sich haben.

 

Der „Gutmensch“: er nervt schon seit 1848

„Ihr guten Menschen seid alle gleich: wenn es nach Euch ginge, kämen wir nie zum Baseballspielen!“

Als der „Gutmensch“ mir das erstemal begegnete, fand ich ihn anfangs noch sehr amüsant und treffend. Im „Wörterbuch des Gutmenschen“ von Klaus Bittermann (1994) machte er sich, wie  ich fand, zu Recht lustig über wohlfeile Betroffenheitsduselei mit ihren immer wieder wiederholten wohlfeilen Nervmetaphern (z.B. dem unsäglichen „Die Mauern in den Köpfen einreissen“).

Dann ergab es sich, dass mit dieser Injurie „Gutmensch“ all die belegt wurden, die der „Political Correctness“ („PC“) für schuldig befunden wurden. Als ich dabei zunehmend den Begriff  „Gutmensch“ hämisch verwendet hörte für Menschen, die es bewusst vermieden, „Neger“ oder „Asylant“ oder „Spasti“ zu sagen, fühlte ich mich zunehmend mitbeleidigt, da ich mir auch das Recht Weiterlesen

„Nicht mein Fehler, monsieur!“

Ich musste heute, als ich las, dass der ukrainische Präsident Petro Poroschenko den Separatisten im Osten seines Landes vorwarf, sie hätten einen „zynischen Akt des Terrors, der bestraft werden wird“, begangen (sie hatten ein Transportflugzeug der ukrainischen Armee abgeschossen, wobei 49 Menschen, darunter 40 Fallschirmjäger, getötet wurden), an Kurt Tucholsky denken, von dem ich vor langer Zeit mal etwas über das Denken des von ihm verachteten deutschen Offizierskorps gelesen hatte. Tucholsky zitierte 1922 aus dem Kriegstagebuch eines Gardehauptmanns, nachdem seine Einheit französische Soldaten gefangengenommen hatte:

„‚Ich fragte einen Gefangenen, wie sie zu der Frechheit kämen, die kaiserliche Garde anzugreifen.‘ Man stelle sich das Bild vor: der eine Kriegsmann fragt den andern von der Gegenseite, wie er sich erlauben könne, zu schießen! Der Franzose gab dem Mann die einzig richtige Antwort: ‚Ce n’est pas ma faute, monsieur!‘, sagte er.“ (Kurt Tucholsky: Ausgewählte Werke, Rowohlt 1965,  S. 262)

 

Putin verstehen ist kein Verständnis für Putin

Wann immer derzeit jemand sich die (notwendige!) Mühe macht, sich und anderen das Verhalten des russischen Präsidenten zu erklären, fällt in der kurzatmigen Verkürzung  der abwertende Begriff „Putin-Versteher“. In diesem Wort schwingt immer mit, dass man sein eigenes Lager, den Westen und all seine Werte, an den Autokraten im Osten verrät – so wie Gerhard Schröder.

Ein „Versteher“ – jemand, der einen anderen versteht, macht doch eigentlich etwas positives: er versetzt sich in einen anderen hinein. Im Deutschen aber hat das Wort „verstehen“ zwei Bedeutungen: Einmal: Weiterlesen

Heinz Schenk ist tot – Meine Lieblingsbüttenrede von ihm 1983

Diese Büttenrede von Heinz Schenk zu Karneval fand ich damals so toll, als ich sie im „Blauen Bock“ hörte – und war begeistert, als ich von einem mir bekannten Schauspieler aus Köln hörte, dass er die Sendung mitgeschnitten hatte, weil er mit einem Kollegen zusammen eine Revue machte, in der sie Heinz Schenk parodierten. Schon das Abtippen der Rede (natürlich noch mit der Schreibmaschine) machte nochmal großen Spaß:

(und gerade sehe ich: Die gibt es ja auch bei Youtube )

Büttenrede Heinz Schenk Karneval 1985

Narhallamarsch, rhytmisches Klatschen.
Heinz: So, erstmal kontrollieren). Die Brill‘ ist dabei und der Vortrag auch, weil, die Brill‘ ist ja sehr wichtig bei solchen Sachen .
(Hebt an) In jedem Jahr zur Fastnachtszeit
wenn man im Lande weit und breit
in Büttenreden, selbst gedichtet,
mit Witz und mit Humor berichtet,
da fragt ma sich, was soll ma bringe,
soll ma politisch zum Gelinge
en Vortrag halte, mal ganz ehrlich,
vor Wahle ist das sehr gefährlich.
Denn einer fühlt bei diesen Reden
sich immer uff den Schlips getreten,
egal, an wem ma übt Kritik –
ich red‘ net über Politik Weiterlesen

Fast 20 Jahre später: Auch CDU will Solidarität mit syrischen Christen

Der kirchenpolitische Sprecher Sprecher der CDU/CSU_Fraktion im Bundestag, Franz-Josef Jung (aus Hessen) beklagt, dass syrische Christen einem besonderen Verfolgungsdruck ausgesetzt sind; die meisten schon ihre Heimat verlassen haben. „Sie verdienen unsere Solidarität“, so Jung. Anlass ist der Tod des Oberhauptes der syrisch-orthodoxen Kirche von Antiochien, „Seiner Heiligkeit Patriarch Mor Ignatius Zakka“ am vergangenen Freitag.

Ich erinnere mich an eine Zeit Mitte der 90er Jahre, als in Bebra (im Weiterlesen

„Ich gehöre nicht zu den tausenden….“

„Ich gehöre nicht zu den tausenden, die Schwarzgeld in der Schweiz haben, das bis heute nicht versteuert ist. Meine Steuern sind gezahlt. Also gilt für mich das Recht auf Privatsphäre und das Steuergeheimnis“, schreibt Alice Schwarzer. Die Bösen,  die Schlimmen, die IMMER noch ihr Geld nicht versteuert haben. Sie hat es ja gemacht, jetzt gerade, jetzt ist sie flugs wieder auf die andere Weiterlesen

Rentenangst und Wachstumsglaube: Unverträgliche „Spins“?

Wir sind in der Informationsgesellschaft ständig neuen „Spins“ ausgesetzt; tagtäglich erhalten wir die Ergebnisse neuer Studien und Erkenntnisse, die uns entweder alarmieren, beglücken, aufregen oder ratlos lassen.
Dem Normal-Mediennutzer – also dem, der vor allem Schlagzeilen und kurz auf den Punkt gebrachte Erläuterungen dazu konsumiert – bleibt dabei oft nur das Gefühl übrig: „Immer ist irgendetwas ärgerliches, zum Beispiel mit…. der Rente“.
So wie heute: Politik und Medien sind ganz aufgeregt über eine neue Bertelsmann-Studie: Das „Focus“-Magazin titelt: „Schon wieder Ärger mit der Rente. 77.000 Euro zu viel eingezahlt: Das deutsche Rentensystem beutet unsere Kinder aus“.

Quintessenz dieser Studie: Väter, Mütter und Kinder werden durch unser Rentensystem benachteiligt, Kinderlose profitieren, oder: „Wer Kinder hat, zahlt drauf“. Weiterlesen

Berlinale, bedenke bitte: Bedeutet „Beast“ beziehungsweise „Bête“ „Biest?“

„Die Schöne und das Biest“ – diese Wortfolge habe ich seit Kindheitstagen im Kopf. Obwohl ich keine der vielen Verfilmungen gesehen habe.  Jean Cocteaus Film mit Jean Marais hieß im Original „La belle et la bête“, der Zeichentrickfilm von Disney „Beauty and the Beast“. Als Kind, als ich nur den deutschen Titel kannte, stellte ich mir immer vor, da gehe es um einen Konflikt zwischen einer schönen und einer zickigen Frau, eben einem „Biest“. Ich habe noch im Ohr, wie meine Mutter über eine Frau, die sie nicht mochte, sagte „Das ist ein Biest!“ So ein „Biest“ stellte ich mir aber nicht hässlich vor, nicht körperlich abstoßend und auch nicht wie ein gefährliches, böses Tier. Man redet ja sogar gerne von einem „süssen Biest“.

Irgendwie fühlte sich „Die Schöne und das Biest“ immer falsch an. Denn es geht ja nicht um ein provokantes, egoistisches Wesen, das Männer und Frauen zur Weissglut bringt, sondern um ein hässliches Scheusal, und die Geschichte lebt davon, dass ausgerechnet dieses absolut hässliche Wesen sich in eine besonders schöne Frau verliebt. Das nennt man doch nicht „Biest“, oder? Die deutsche Sprache hält  dafür auch ein durchaus dem englischen Weiterlesen