{"id":3234,"date":"2026-09-09T21:51:05","date_gmt":"2026-09-09T19:51:05","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.christoph-kaeppeler.de\/?p=3234"},"modified":"2026-09-10T00:44:19","modified_gmt":"2026-09-09T22:44:19","slug":"das-volk-folgt-sorry-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.christoph-kaeppeler.de\/?p=3234","title":{"rendered":"&#8222;Das Volk folgt!&#8230;sorry: nicht&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Deutschland zwischen hilflosem Reformgerede und rechtsextremistischem Tabularasa<\/strong><\/p>\n<p><a class=\"ReferentFragment-desktop__ClickTarget-sc-d6a74c8e-0 jYcUsM\" href=\"https:\/\/genius.com\/32394826\/Soffie-fur-immer-fruhling\/Ich-hab-neulich-getraumt\" data-ignore-on-click-outside=\"true\"><span class=\"ReferentFragment-desktop__Highlight-sc-d6a74c8e-1 XbhFO\"><em>&#8222;Ich hab&#8216; neulich getr\u00e4umt<\/em><\/span><\/a><br \/>\n<em>Von einem Land, in dem f\u00fcr immer Fr\u00fchling ist<\/em><br \/>\n<em>Hier gibt es Kaviar und Hummer im \u00dcberfluss<\/em><br \/>\n<em>Keiner hier, der hungert, und niemandem ist kalt<\/em><br \/>\n<em>Vanilleeis zum Nachtisch, alle sterben alt<\/em><br \/>\n<em>In das Land, in dem f\u00fcr immer Fr\u00fchling ist<\/em><br \/>\n<em>Darf jeder komm&#8217;n und jeder geh&#8217;n, denn es gibt immer ein&#8217;n Platz am Tisch<\/em><br \/>\n<em>Rotkarierter Stoff, keine wei\u00dfen Flaggen mehr<\/em><br \/>\n<em>Alle sind willkomm&#8217;n, kein Boot, das sinkt im Mittelmeer<\/em><\/p>\n<p><em>[Refrain]<\/em><br \/>\n<em>La-la-la, la-la-la-la-la-la, la<\/em><br \/>\n<em>La-la-la, la-la-la-la-la-la<\/em><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"YouTube video player\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/MhGc42I0Ic8?si=GuRbWbw_jw9N_mln\" width=\"560\" height=\"315\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<p>Soffie beschreibt, wie unsere &#8222;Soziale Marktwirtschaft&#8220;, in der alle dazugeh\u00f6ren sollten, funktionieren m\u00fcsste.<\/p>\n<p>Sie ist der Normalfall unseres bisher immer noch reichen und freien Landes, diese Soziale Marktwirtschaft, <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Bcdb355KTvw&amp;t=629s\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Indirekt verlangt<\/a> auch vom Grundgesetz.<\/p>\n<p>Aber die k\u00f6nnen wir uns jetzt nicht mehr leisten. Sorry! Jetzt sind knackige Reformen n\u00f6tig, bei Rente, Krankschreibungen, Pflege, Steuern, sonst l\u00e4uft der Laden aus dem Ruder!<!--more--><\/p>\n<p><strong>Einerseits. Aber andererseits: nicht so schnell!<\/strong><\/p>\n<p>Gleichzeitig ist auch jetzt wieder die Zeit derer angebrochen, die nichts \u00fcberst\u00fcrzen wollen. Und auch die Zeit der altbekannten, letztlich abgehalfterten Floskeln, derer, die davon tr\u00e4umen, dass das bundesrepublikanische politische Geschehen immer weiter gleich l\u00e4uft, nichts sich wirklich \u00e4ndert, w\u00e4hrend diejenigen, die so tun, als w\u00fcrden sie ja gerne &#8222;etwas \u00e4ndern&#8220;, jammern, dass es ja keine &#8222;Reformbereitschaft&#8220; bei den Menschen gebe. Gleichzeitig seien &#8222;die normalen Menschen&#8220; den Umgang der Politik mit ihnen &#8222;satt&#8220; und deshalb erkl\u00e4ren sie auch den Wahlsieg der AfD in Sachen-Anhalt damit, dass die &#8222;normalen&#8220; Menschen sich einfach nach dem einigerma\u00dfen guten Leben von vor 20 oder 30 Jahren sehnen.<\/p>\n<p>Auch nach manchem, was man in der DDR so hatte, das wohlige Beieinander, dass nicht gegendert wurde, dass die Migranten sch\u00f6n in abgegrenzten Wohnheimen blieben und irgendwann wieder nach Nordvietnam oder Mosambik zur\u00fcckgeschickt wurden. Und dass es keine &#8222;Klimahysteriker&#8220; gab, keine &#8222;linken Spinner&#8220;, nur die SED.<\/p>\n<p>Und: in der DDR war man &#8222;gleich&#8220;, das war gut, weil es vielleicht weniger &#8222;Sozialneid&#8220; gab, aber auch frustrierend, weil viele der Konsumg\u00fcter fehlten, die man im Westen auch als Geringverdiener haben konnte. Und nat\u00fcrlich fehlte die Meinungsfreiheit.<\/p>\n<p>Aber: es passiert wiederum nicht genug, sagen auch fast alle. Stillstand, Reformstau. Die Koalition aus CDU\/CSU\/SPD will jetzt handeln. Durch &#8222;Reformen&#8220;, die eher nicht gut ankommen. Rente, Pflege, Krankschreibung beim Arzt ab dem ersten Tag &#8211; das gef\u00e4llt fast keinem. Die AfD hat sensationell in Sachsen-Anhalt gesiegt, die will aber ganz andere &#8222;Reformen&#8220;: Muss die Koalition deshalb nicht ihre geplanten Reformen \u00e4ndern? Noch mehr Migranten rauswerfen, noch mehr Steuern senken, den ausl\u00e4ndischen Faulenzern noch mehr Geld streichen, noch mehr Genderverbote aussprechen und &#8211; oje &#8211; sozialer sein bei der Rente f\u00fcr die, die 45 Jahre lang malocht haben?<\/p>\n<p><strong>Grottiges Reformgerede ist nichts neues im 21. Jahrhundert<\/strong><\/p>\n<p>Ich erinnere mich an eine seltsame, fast gruselige Veranstaltung in Berlin im Jahr 2008. Ein sogenannter &#8222;Konvent f\u00fcr Deutschland&#8220; stellte ein 600 Seiten dickes Buch vor: &#8222;Mut zum Handeln&#8220; hie\u00df der Schm\u00f6ker. Darin interviewten 26 Journalisten Mitglieder dieses Konvents f\u00fcr Deutschland, darunter politische B-Promis, meist schon am Karriereende, wie Ex-Bundespr\u00e4sident (auch damals schon Ex) Roman Herzog, Ex-Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (damals auch schon Ex und noch SPD, sp\u00e4ter trat er zur FDP \u00fcber), oder Hans-Olaf Henkel, damals schon Ex-BDI-Pr\u00e4sident sp\u00e4ter Europaabgeordneter der AfD, aus der er dann aber austrat.<\/p>\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-3234-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/blog.christoph-kaeppeler.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Mut-zum-Handeln-Konvent-fuer-Deutschland-fordert-weitere-Reformen-laenger.mp3?_=1\" \/><a href=\"https:\/\/blog.christoph-kaeppeler.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Mut-zum-Handeln-Konvent-fuer-Deutschland-fordert-weitere-Reformen-laenger.mp3\">https:\/\/blog.christoph-kaeppeler.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Mut-zum-Handeln-Konvent-fuer-Deutschland-fordert-weitere-Reformen-laenger.mp3<\/a><\/audio>\n<p><em>Mut zum Handeln Konvent f\u00fcr Deutschland fordert weitere Reformen Radio-Beitrag von Christoph K\u00e4ppeler hr 30. April 2008<\/em><\/p>\n<p><strong>Durch Deutschland sollte &#8222;ein Ruck gehen&#8220;.\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Schon elf Jahre vorher, 1997, hatte Herzog, noch im Amt, seine ber\u00fchmte, aber irgendwie verst\u00f6rende &#8222;Ruck-Rede&#8220; gehalten. Die, in der Erinnerung, falls man sich damals, geschweige denn heute, \u00fcberhaupt noch daran erinnerte, nur die Ratlosigkeit hervorgerufen hatte: Okay, durch Deutschland sollte und musste endlich &#8222;ein Ruck gehen&#8220;, aber: Wozu? Wohin? Warum?<\/p>\n<p>Das gruselige daran war: Es war 2008 eine Veranstaltung, in der diese uninspirierten Ex-Politiker und Verbandsvertreter, die sich in ihren aktiven Jahren vor allem von den grunds\u00e4tzlichen Politikvorgaben der bis heute einflussreichsten Lobbys in Deutschland hatten lenken lassen, die damals schon alten rechtslibert\u00e4ren, gleichzeitig irgendwie lustlos-populistischen nichtssagenden Stanzen herunterleierten. Ja, leierten, obwohl das Ganze doch irgendwie eine Art &#8222;Aufbruch&#8220; simulieren sollte, weil irgendetwas in diesem Lande &#8222;so&#8220; nicht mehr weitergehen konnte, und aus ihrem gef\u00fchlten verdienten Ruhestand spielten sie sich auf als diejenigen, die nicht anders konnten, als jetzt endlich den &#8222;Mut&#8220; zum Handeln zu beweisen. Aus Verantwortung f\u00fcr das Land und seine Zukunft hatten sie sich aufgerafft zu dieser bald wieder vergessenen, aber sehr grotesken Veranstaltung.<\/p>\n<p>Olaf Henkel fragte lasch-schmissig, &#8222;wie wir die Reformf\u00e4higkeit in diesem Land wieder herstellen k\u00f6nnen&#8220;. Wolfgang Clement appellierte routiniert: &#8222;Das ist ein Aufruf, Deutschland aus der Reformstarre, in der es sich meiner pers\u00f6nlichen Ansicht nach zur Zeit befindet, zu befreien&#8220;.<\/p>\n<p>Das Schauspiel erschien, mir jedenfalls, erb\u00e4rmlich. Figuren, bekannt aus &#8222;Tagesschau&#8220; und &#8222;heute&#8220; der letzten Jahrzehnte redeten hilflos allgemeines Zeugs daher, das niemand verstand, das sie niemand erkl\u00e4ren konnten. Als die Fragen der versammelten Hauptstadtjournalisten, zumindest einiger, dringlicher wurden &#8222;Sagt uns doch bitte einfach mal: &#8222;Was meinen Sie!? Was sind Ihre wesentlichen Punkte?!&#8220;, stammelte Roman Herzog nur dies zusammen:<\/p>\n<p>&#8222;Wir, \u00e4hh, doktern immer noch an unseren Sozialsystemen herum, das ist eine der fundamentalen Fragen, weil es da um unsere Bewegungsfreiheit geht. Wir haben&#8230; \u00e4h&#8230; keine klare Politik f\u00fcr, was die, ist ja schon alles ausgef\u00fchrt worden, was die Energiepolitik betrifft und wir wissen ja nicht, was sich auf dem Nahrungsmittelsektor entwickeln wird&#8220;.<\/p>\n<p><strong>Aufbruch ins &#8230; \u00e4\u00e4\u00e4h&#8230; Moment, gleich hab&#8216; ichs&#8230;.<\/strong><\/p>\n<p>Allgemeines Geschwafel, wenn man ehrlich ist. Wo lag die Dringlichkeit? Wenn irgend etwas grauslich falsch l\u00e4uft, dann wei\u00df man das doch zu sagen. Ach ja, da fiel ihm doch etwas konkretes ein, aus dem &#8222;Arsenal von Ideen&#8220;, das diesen &#8222;Mut zum Handeln&#8220; befeuern sollte: man m\u00fcsse, so Herzog 2008, die Lehrpl\u00e4ne entr\u00fcmpeln, um das Abitur in acht Jahren schaffen zu k\u00f6nnen, Das aber diskutierte man damals auch ohne den &#8222;Konvent&#8220;, das Thema entschied sogar eine Landtagswahl in Hessen mit. In allen Bundesl\u00e4ndern, ob CDU-, CSU- oder SPD-regiert, wurde das vor allem von der Wirtschaft (&#8222;Die Leute kommen zu sp\u00e4t ins Berufsleben&#8220;) geforderte &#8222;G8&#8220;-Abitur eingef\u00fchrt. Es scheiterte grandios, weil die Wirtschaft sich beklagte, dass die Berufsanf\u00e4nger zu unreif und zu unwissend seien, G8 ist heute \u00fcberall wieder so gut wie abgeschafft.<\/p>\n<p>Ein Mega-Beispiel f\u00fcr &#8222;notwendige Reformen&#8220;. Und die Klugheit unserer Wirtschaft, die ja immer ganz genau weiss, welche &#8222;Reformen&#8220; das Land braucht. Folgen wir ihr unbesehen, die Politik kann dann nichts falsch machen.<\/p>\n<p>Seltsam lahme Stanzen, die 1997 (&#8222;Ruck&#8220;), 2008 (&#8222;Mut zum Handeln&#8220;), 2025 (&#8222;Herbst der Reformen&#8220;), 2026 (&#8222;jetzt aber wirklich Herbst der Reformen&#8220;) sich wieder und wieder durch die Jahrzehnte wiederholten und leider vor allem die Flachheit und Fantasielosigkeit des politischen, wirtschaftlichen, verbandspolitischen und Teilen des journalistischen Personals schmerzhaft deutlich aufzeigten.<\/p>\n<p><strong>Echte &#8222;Reformen&#8220; machten uns wohl viel zu &#8222;gleich&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Ja, wahrscheinlich ist es so, dass der Grund daf\u00fcr ist, dass es vielen von ihnen viel zu riskant ist, wirkliche Reformbereitschaft zu zeigen. Also Reformen in eine vielversprechendere Richtung. Denn: Das w\u00e4ren vor allem Reformen, die rational w\u00e4ren, die keine armseligen &#8222;Helden&#8220;-M\u00e4rchen aus Lobby-Denkfabriken vom tapferen, harten Verzicht der zu Opfern bereiten unteren Schichten w\u00e4ren, sondern: Deren Macher den Mut zu zu einen &#8222;Wohlfahrtsstaat&#8220; h\u00e4tten , einer &#8222;Sozialen Marktwirtschaft&#8220;, einem Land, in dem f\u00fcr jeden ein Platz w\u00e4re, das gute Universit\u00e4ten und Schulen sich was kosten lie\u00dfe, einen gro\u00dfz\u00fcgigen \u00f6ffentlichen Wohnungsbau finanzierte und das seinen immer vorhandenen, nur ungleich verteilten Reichtum so aufgeteilt h\u00e4tte, dass niemand darben m\u00fcsste. &#8222;Mehr Gleichheit&#8220; &#8211; der Schrecken der rechts-libert\u00e4ren Ideologen und der Lobbyisten der Super-Reichen, denen es im Zweifel immer zu schlecht geht, um sie zu Opfern f\u00fcr wirklich notwendige Reformen heranziehen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Was aber sicherlich f\u00fcr das Wachstum und die Stabilit\u00e4t der Wirtschaft ganz sinnvoll w\u00e4re.<\/p>\n<p><strong>Ja, und: Klima retten durch Energiewende: Seht es doch endlich ein!<\/strong><\/p>\n<p>Und nat\u00fcrlich: Wenn man in unserem Land und auch weltweit konsequent daran arbeiten w\u00fcrde, den in die Katastophe f\u00fchrenden Treibhauseffekt &#8211; wenn man ihn nicht endlich stoppt &#8211; mit einer beherzten Energiewende konsequent innen- und aussenpolitisch anzugehen, statt ihn sogar noch erneut zu behindern und abzubremsen. Das w\u00e4re doch auch eine Reform, die gerade im Stau gehalten wird von den Parteien der K\u00e4mpfer gegen die &#8222;Reformstarre&#8220;.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df nat\u00fcrlich: das ist ja nicht die Aufgabe dieser Art von K\u00e4mpfer*innen f\u00fcr Reformen, die sie leider so gut wie nie erkl\u00e4ren k\u00f6nnen. Aber alle wissen doch, was damit gemeint ist:<\/p>\n<p><strong>Es muss Euch noch schlechter gehen, sagte der &#8222;Altliberale&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Nach der Reform ist vor der Reform \u2013 Reform sollte immer sein \u2013 und Reformen m\u00fcssen offenbar wehtun \u2013 noch weher als bisher: Der Altliberale Otto Graf Lambsdorff wurde im Buch \u201eMut zum Handeln\u201c gefragt, warum der st\u00e4ndige Aufruf zu mehr Reformfreudigkeit die Menschen nerve? Lambsdorff erwiderte: \u201cDie ehrliche Antwort muss lauten: Weil es uns noch nicht schlecht genug geht\u201c.<\/p>\n<p>Es muss also was passieren und es muss schmerzen. Und dann aber wird es eine grundlegende Reform von allem geben, dass es nur so splattatert! (Gr\u00fc\u00dfe an Helge Schneider).<\/p>\n<p>Das war die ehrliche Antwort: Die alteingesessene, von stabilen Lobbys beeinflusste Politik will das Leben der Menschen nicht verbessern, sondern nur die Verh\u00e4ltnisse so ver\u00e4ndern, dass die Menschen einigerma\u00dfen ein Auskommen haben, gleichzeitig aber der Gro\u00dfteil des gemeinsam von der Gesellschaft erarbeiteten Wohlstands\u00a0wie gehabt bei den Bessergestellten verbleibt.<\/p>\n<p><strong>Wahlen: Sch\u00e4dlich f\u00fcr Reformen!<\/strong><\/p>\n<p>Und was heute einflussreiche Ideologen unter den Techmilliard\u00e4ren wie etwa Peter Thiel denken, n\u00e4mlich, dass diese ganze demokratische W\u00e4hlerei sowieso sch\u00e4dlich ist, das war auch schon 2008 im rechtslibert\u00e4ren deutschen Milieu eine feste \u00dcberzeugung.\u00a0 Thomas Schmid, damals der Chefredakteur der Zeitungen \u201eWelt\u201c und \u201eWelt am Sonntag&#8220; aus dem Axel-Springer-Verlag war einer der Unterst\u00fctzer dieses kurzlebigen &#8222;Konvents f\u00fcr Deutschland&#8220;. Auf dem Podium meinte er, &#8222;dass die Aufgabe der Politik eigentlich ist, auf den ersten Anschein Unpopul\u00e4res durchzusetzen und am Ende popul\u00e4r zu machen&#8220;.<\/p>\n<p>Das Dilemma des Populismus: Eigentlich geben AfD und die sie unterst\u00fctzende Medien den W\u00e4hlern das, was die wirklich wollen, was also popul\u00e4r ist. Nicht zu viele Ausl\u00e4nder. Schwule und Lesben, okay, aber: dass die heiraten d\u00fcrfen, sollte man wieder abschaffen. Wer sich nicht zu Deutschland bekennt, soll keine Geld f\u00fcr sein Theater bekommen. Bis zu einem bestimmten Punkt machen das Parteien wie CDU, CSU, FDP und auch die SPD, Gr\u00fcne und Linke mit. &#8222;H\u00e4rtere&#8220; Asyl- und Migrationspolitik, Streichung von Zusch\u00fcssen f\u00fcr Demokratief\u00f6rderprojekte, der Zuschuss f\u00fcr das Projekt &#8222;Lamda&#8220;, das queere Jugendliche in Krisen ber\u00e4t, wurde, wie es die AfD gefordert hatte, von Familienministerin Karin Prien (CDU) gestrichen.<\/p>\n<p>Am Ende aber ist das nicht das, was man sich im b\u00fcrgerlich-rechten Lager von der &#8222;Reformpolitik&#8220; erwartet. Die soll n\u00e4mlich gegen das Volk das durchsetzen, was es nicht will &#8211; damit es dann bald versteht, dass es ja nur zu seinem Besten war.<\/p>\n<p>Das bl\u00f6de ist nur, dass die Leute ja dann an der Wahlurne bei der n\u00e4chsten Wahl, die vielleicht dann zu schnell kommt, die mutigen &#8222;Reform&#8220;-Politiker gleich wieder abw\u00e4hlen. Das beklagte Hans Olaf Henkel damals auch 2008 auf dem &#8222;Konvent&#8220;-Podium: &#8222;Es gibt kaum eine Demokratie in der Welt, wo so oft gew\u00e4hlt wird wie bei uns, im Durchschnitt alle 90 Tage, wenn Sie die Landtagswahlen, die Europawahlen, die Bundestagswahlen nehmen&#8220;.<\/p>\n<p>Thiel-Vibrations der angeblich so absolut freiheitsliebenden Libert\u00e4ren gegen die demokratische Mitbestimmung also auch schon 2008. Letztlich ist es die Aufgabe des Volkes, zwar zu w\u00e4hlen, aber nicht, um dann dadurch den politischen Kurs und auch \u00fcber die &#8222;Reformen&#8220; zu bestimmen, sondern,\u00a0 so ein nur m\u00e4\u00dfig witziges Wortspiel von Altbundespr\u00e4sident Herzog damals: Gefragt von einem Journalisten, woher er denn das Volk bekommen wolle, das seine Reformideen und die seine Mit-Konventler mitmachte: &#8222;Das Volk folgt, wie es sich schon aus dem Namen ergibt&#8220;. &#8222;Volk&#8220; kommt von &#8222;folgen&#8220; &#8211; Etymologie mit der Brechstange passend gemacht. Irgendjemand muss Roman Herzog dann zugefl\u00fcstert haben, dass man das so offen eigentlich besser nicht sagen sollte, und deshalb meldete er sich noch einmal und meinte: &#8222;Ich wollte nat\u00fcrlich nicht sagen: Das Volk folgt, sondern: Das Volk folgt nicht&#8220;.<\/p>\n<p><strong>Das Volk will keine schlechten Reformen<\/strong><\/p>\n<p>Bei was h\u00e4tte es auch &#8222;folgen&#8220; sollen? Das stammelige, fast immer wenig konkrete Gerede von &#8222;Reformen&#8220;, weil die &#8222;Reformer&#8220; lieber nicht klar sagen wollen, was sie den Menschen zumuten wollen, schreckt diese ab. In Zeiten, als im Nachkriegs-Deutschland noch &#8222;Fr\u00fchling&#8220; (Soffie!) war, bedeuteten Reformen noch mehr Demokratie, mehr Mitbestimmung im Betrieb, in der Schule, in der Uni; mehr Rechte f\u00fcr Frauen, f\u00fcr Schwule, f\u00fcr Kinder, Wahlrecht ab 18, eine an der Lohnentwicklung orientierte Rente, saubere Luft, sauberes Wasser, Mindestlohn, Cannabis-Liberalisierung und und und, Heute l\u00e4sst das Wort &#8222;Reformen&#8220; die Leute schlimmes bef\u00fcrchten. Im besten Falle kommt dann diese Art von Reform doch nicht.<\/p>\n<p><strong>Die Gefahr: AfD-Reformen wie &#8222;Remigration&#8220; und &#8222;Mehr Gas, keine Windkraft mehr&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Nur: Weil solche unterkomplexen, immergleichen, phrasendreschenden, Lobbies verpflichteten Politiker immer weniger gew\u00e4hlt werden, werden andere Kr\u00e4fte st\u00e4rker. Diejenigen, die auch &#8222;Reformen&#8220; versprechen &#8211; aber solche, die absurderweise das Land wieder in die Zeit zur\u00fcckversetzen wollen, als die sch\u00f6nen, die guten Reformen noch nicht gemacht worden waren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"shariff shariff-align-left shariff-widget-align-left\" data-services=\"facebook\" data-url=\"https:\/\/blog.christoph-kaeppeler.de\/?p=3234\" data-timestamp=\"1789001059\" data-hidezero=\"1\" data-backendurl=\"?rest_route=\/shariff\/v1\/share_counts&\"><ul class=\"shariff-buttons theme-default orientation-horizontal buttonsize-medium\"><li class=\"shariff-button mastodon shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#563ACC\"><a href=\"https:\/\/s2f.kytta.dev\/?text=%E2%80%9EDas%20Volk%20folgt%21%E2%80%A6sorry%3A%20nicht%E2%80%9C https%3A%2F%2Fblog.christoph-kaeppeler.de%2F%3Fp%3D3234 via @CKaeppeler@social.cologne\" title=\"Bei Mastodon teilen\" aria-label=\"Bei Mastodon teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; 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