{"id":1134,"date":"2017-06-19T00:27:12","date_gmt":"2017-06-18T22:27:12","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.christoph-kaeppeler.de\/?p=1134"},"modified":"2017-06-20T09:50:18","modified_gmt":"2017-06-20T07:50:18","slug":"die-arte-doku-zum-antisemitismus-handwerklich-schlecht-ueberfrachtet-und-dadurch-oberflaechlich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.christoph-kaeppeler.de\/?p=1134","title":{"rendered":"Die Arte-Doku zum Antisemitismus: Handwerklich schlecht, \u00fcberfrachtet und dadurch oberfl\u00e4chlich"},"content":{"rendered":"<h5>Disclaimer vor der Kritik: Fehler sollte man einr\u00e4umen<em><br \/>\n<\/em><\/h5>\n<p>Ich habe k\u00fcrzlich einen handwerklichen Fehler gemacht, als Journalist. Einen, den ich nicht als solchen empfand, und den ich bis heute als einigerma\u00dfen l\u00e4sslich empfinde. Aber das ist vielleicht nur eine Ausrede mir selbst gegen\u00fcber, weil ich instinktiv wei\u00df, dass ich es von vornherein besser h\u00e4tte machen sollen:<\/p>\n<p>Ich habe eine Radiosendung \u00fcber die Europaabgeordneten der sieben deutschen Kleinparteien gemacht, die ins Parlament gekommen sind, weil es keine Sperrklausel bei Europawahlen in Deutschland gibt. Ich interviewte jeden, den \u00d6DP-Mann, die Freie W\u00e4hlerin, die Piratenparteilerin, den von der Familienpartei, der &#8222;Partei&#8220; und auch der NPD. Als ich den Vertreter der Tierschutzpartei fragte, warum er mittlerweile aus der Partei ausgetreten sei, sagte er mir, im Bundesvorstand der\u00a0 Partei gebe es rechte Str\u00f6mungen, und deshalb sei er ausgetreten. Das habe ich so in der Sendung wiedergegeben, und es war f\u00fcr diese Sendung nicht weiter wichtig, weil es gar nicht um die politische Ausrichtung der Tierschutzpartei ging, sondern um die Arbeit eines Kleinparteilers im Parlament: Wie einsam f\u00fchlen sie sich, welche Mitstreiter haben sie, k\u00f6nnen sie sogar manchmal im Verein mit anderen etwas im Parlament erreichen?<\/p>\n<p>Kurz drauf erreichte mich eine Mail des Bundesvorsitzenden der Tierschutzpartei, der verlangte, wir m\u00fcssten die Aussage seines Ex-Parteifreundes l\u00f6schen: Denn es stimme nicht, dass es im Bundesvorstand der Partei rechte Str\u00f6mungen gebe. Da f\u00fchlte ich mich erwischt: Obwohl es streng genommen aus meiner Sicht nicht wichtig war, weil es bei mir nicht um interne Konflikte der Tierschutzpartei ging, h\u00e4tte ich korrekterweise die Ex-Partei des Abgeordneten fragen m\u00fcssen, was sie von seinem Austritt und seiner Begr\u00fcndung hielten. Ich \u00e4rgerte mich ein wenig \u00fcber mein unprofessionelles Vers\u00e4umnis und habe das dann im Podcast der Sendung nachgebessert &#8211; nicht, indem ich die \u00c4u\u00dferung l\u00f6schte, sondern das Dementi des Parteichefs als Gegenposition zitierte.<\/p>\n<h5>Was spricht dagegen, die andere Seite zu fragen?<\/h5>\n<p>An meinen Mini-Fauxpas musste ich sofort denken, als ich eine <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/kultur\/film\/2017-06\/antisemitismus-doku-joachim-schroeder-arte-wdr-vorwurf\">Antwort von Joachim Schr\u00f6der las<\/a>, dem Macher der Arte-Doku \u00fcber Antisemitismus in Europa, in der er meinte, er h\u00e4tte nicht die<!--more--> Vertreter einer Gegenseite fragen m\u00fcssen. Die Doku zeigt im Bild feudale Behausungen, in denen hohe Hamas-Funktion\u00e4re wohnen. Ein pal\u00e4stinensischer Mitarbeiter der NGO &#8222;World Vision&#8220; stehe unter dem Verdacht, aus seinem Etat seit 2005 45 Millionen Euro f\u00fcr die Hamas abgezweigt zu haben. &#8222;Das k\u00f6nnte manchen Prachtbau erkl\u00e4ren&#8220;, hei\u00dft es in der Doku. &#8222;Unter Verdacht&#8220;, &#8222;k\u00f6nnte&#8220;: Es gibt bisher keine Belege, und deshalb verwendet er auch korrekt den Konjunktiv. Wenn ich aber in einem journalistischen St\u00fcck die Arbeit von NGOs in Israel und Gaza kritisiere, und die Vorw\u00fcrfe gegen einen World-Vision-Mitarbeiter als Beleg daf\u00fcr vorbringe, dass sie die Terrororganisation Hamas unterst\u00fctzen, muss ich das doch gegenrecherchieren. Zumal World Vision und der beschuldigte Mitarbeiter entgegengehalten haben, dass \u00dcberpr\u00fcfungen von World Vision durch eine externe Wirtschaftspr\u00fcfungsgesellschaft bisher keinerlei Hinweise auf solche Unterschlagungen ergeben h\u00e4tten. Schon alleine die Summe kann laut World Vision nicht stimmen, weil seit 2005 das Budget f\u00fcr Gaza bisher nur 22,5 Millionen Euro betragen h\u00e4tte. Und der Mitarbeiter<a href=\"http:\/\/www.deutschlandfunk.de\/prozess-gegen-world-vision-mitarbeiter-in-gaza-verfahren.1818.de.html?dram:article_id=364617\"> sei erst seit 2014 f\u00fcr alle Projekte in Gaza t\u00e4tig gewesen und sein Budget h\u00e4tte sowieso nur\u00a0 15.000 US-Dollar betragen<\/a>. Dies h\u00e4tte man in einem journalistisch sauberen Beitrag unabdingbar machen m\u00fcssen: &#8222;Audiatur et altera pars&#8220;.<\/p>\n<p>Stattdessen sagte Joachim Schr\u00f6der auf die Frage, warum er und sein Team nicht gegenrecherchiert haben: <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/kultur\/film\/2017-06\/antisemitismus-doku-joachim-schroeder-arte-wdr-vorwurf\">&#8222;Ich habe nicht erwartet, dass diese Organisationen mir etwas Originelles dazu sagen k\u00f6nnen&#8220;<\/a>. So eine Aussage w\u00e4re jedem Volont\u00e4r zu Recht um die Ohren gehauen worden.<\/p>\n<h5>Noch mehr M\u00e4ngel<\/h5>\n<p>Und solche handwerklichen M\u00e4ngel fielen mir &#8211; dank &#8222;Bild&#8220;, das die &#8222;Zensur&#8220; durchbrochen hat &#8211; noch mehrfach auf:<\/p>\n<p>So wird der Journalist und Buchautor Tuvia Tenenbaum in der Doku interviewt, der einen Mitarbeiter der Organisation B&#8217;Tselem, der den Holocaust leugnet, interviewt hatte. B&#8217;tselem hatte diesen Vorwurf zun\u00e4chst abgestritten, den Mitarbeiter dann aber doch entlassen, nachdem Tenenbaum die Aussage in einem Video belegen konnte. In Schr\u00f6ders Doku erfahre ich nichts von der Reaktion von B&#8217;Tselem auf den erwiesenen Vorwurf des Holocaust-Leugnens. H\u00e4tte Schr\u00f6der jemanden von B&#8217;Tselem interviewt &#8211; oder ein solches Interview zumindest angeboten &#8211; h\u00e4tte das seine Doku verw\u00e4ssert?\u00a0 Nichts &#8222;Originelles&#8220;, was man f\u00fcr einen knackigen Film braucht? Journalistisch ist jedenfalls dieses Verhalten unsauber. Und wenn ein Auftraggeber einen Film mit solch einem groben Mangel bekommt: Dann kann er den nicht einfach abnehmen. Ob er Nachbesserung verlangt oder den Film jetzt als Ganzes ablehnt &#8211; das muss er entscheiden.<\/p>\n<p>Ein drittes journalistisches Vers\u00e4umnis: Etwa zur Mitte der Doku geht es um die UN-Fl\u00fcchtlingsorganisation f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser UNWRA. Sie habe f\u00fcr Gaza ein j\u00e4hrliches Budget von \u20ac 1,3 Milliarden. Die beiden Filmemacher interviewen den Sprecher der UNWRA &#8222;Das Gebiet sieht aus wie ein verdammtes St\u00fcck Schei\u00dfe! Ich frage mich: Wer ist korrupt? Wo landet das Geld?!&#8220; Die naheliegende, wahrscheinlich richtige Unterstellung ist, dass in Gaza viele korrumpiert sind und kr\u00e4ftig illegal abkassieren. Also eine gute, eine berechtigte, eine investigative Frage. Der UNWRA-Sprecher sagt nichts konkretes, nur &#8222;Die politische L\u00f6sung ist korrumpiert&#8220;.<\/p>\n<p>Schr\u00f6der fragt dann David Bedein vom Center for Near East Policy Research, der best\u00e4tigt: &#8222;Wir wissen nicht, wo das Geld hingeht&#8220;. Sch\u00f6n und gut, ein weiterer Hinweis darauf, dass da vieles nicht stimmt. Ich stelle mir schon vor, ich h\u00e4tte so einen Film gemacht, mit entsprechend sch\u00f6n hohem Budget und mehr als eine Woche Recherchezeit: Und ich sah mich schon in New York. H\u00e4tte mich durchgefragt bei UN-Verantwortlichen. UN-Botschaftern &#8211; von Israel, arabischen Staaten, USA, Deutschland. Wo versickert das Geld? Wer bekommt es? Was steht in den Abrechnungen? Werden die Zahlungen nicht kontrolliert? Was steht denn in den B\u00fcchern der UNWRA?<\/p>\n<p>Ist nicht passiert, offenbar.<\/p>\n<h5>Zuviel Gaza und Israel, zu wenig Europa<\/h5>\n<p>Aber vielleicht ist die journalistische Unsauberkeit auch nicht das st\u00f6rendste an dieser Doku:<\/p>\n<p>Denn mir fiel beim Schauen etwas anderes auf: Ich bin im Film die meiste Zeit in Gaza oder in Israel. Ich erfahre, was Studenten in Gaza von der Hamas halten &#8211; sie sind ihr gegen\u00fcber erstaunlich ablehnend und kritisch. Ich erfahre, dass in den von Israel besetzen Gebieten 900 Firmen arbeiten und auch vielen Pal\u00e4stinensern Arbeit geben. Rafi Eitan erz\u00e4hlt, \u00fcber den Krieg 1948, erst gegen die Briten, dann gegen die Araber. Rafi Eitan, der sp\u00e4ter einer derer war, die Adolf Eichmann fanden, nach Israel brachten und seinem gerechten Prozess zuf\u00fchrten. Er verdeutlicht das geschichtliche Narrativ des Nahost-Konflikts aus israelischer Sicht. Ich sehe Hamas-TV, in dem Kindern Terror gegen Juden als moralisch richtig nahegebracht wird. Alles interessant zu erfahren und zu wissen, vielleicht ist manches davon auch neu. Die Doku-Macher h\u00e4tten bestimmt genug Material zusammengehabt, um einen 90min\u00fctigen Film \u00fcber Israel, Gaza und das Westjordanland machen zu k\u00f6nnen; dar\u00fcber, wie falsch vieles dort in Europa und sonstwo in der Welt gesehen wird, und wie brutal vor allem die Hamas in Gaza haust. Und wie nur allzu berechtigt die Ma\u00dfnahmen Israels gegen den st\u00e4ndig drohenden Terror sind. Und wie verlogen sich NGOs aus Europa und selbst manche aus Israel verhalten.<\/p>\n<p>Aus diesem Material h\u00e4tte eine runde, gut recherchierte Doku werden k\u00f6nnen. Und damit h\u00e4tten die Macher schon mal eine Last von sich nehmen k\u00f6nnen: N\u00e4mlich die Last, dass sie unbedingt viele Einzelheiten \u00fcber den Konflikt in Israel klarstellen wollten, die ihnen in Europa nicht gen\u00fcgend wahrgenommen zu sein scheinen. Jetzt h\u00e4tten sie die vollen 90 Minuten gehabt f\u00fcr eine Doku, die das eigentliche Thema, zu dem sie den Auftrag bekommen hatten, bew\u00e4ltigt h\u00e4tte: Antisemitismus in Europa.<\/p>\n<h5>Der eigentliche Auftrag, der nicht erf\u00fcllt wurde<\/h5>\n<p>Das war n\u00e4mlich, wenn ich es richtig sehe, der Auftrag. Und diesen Auftrag haben Joachim Schr\u00f6der und Sophie Hafner h\u00f6chstens mangelhaft erf\u00fcllt. Eben weil sie das Projekt dieser Doku viel zu ausf\u00fchrlich mit dem Israel\/Pal\u00e4stina-Aspekt \u00fcberfrachtet haben. Das ist der Aufarbeitung und vor allem der Analyse des Antisemitismus in Europa nicht gut bekommen.<\/p>\n<p>Auch zu diesem Aspekt hatten die Filmemacher vieles, starkes Material zur Verf\u00fcgung beziehungsweise selbst erarbeitet: Abbas vor dem Europaparlament, der Israel beschuldigt, Rabbiner h\u00e4tten die Regierung dazu aufgerufen, Brunnen zu vergiften, um Pal\u00e4stinenser zu t\u00f6ten. Gro\u00dfer Applaus der EU-Parlamentarier. Ein guter, symbolisch starker Einstieg in das Thema, da es Antisemitismus in Europa in der Person von Abbas mit dem Nahen Osten verkn\u00fcpft. Dem \u00e4u\u00dferst wichtigen Aspekt, dass Antisemitismus heute sehr viel mit arabischst\u00e4mmigem Antizionismus und Israelhass zu tun hat.<\/p>\n<p>Der Vergleich mit Julius Streicher? Hart, aber eine zul\u00e4ssige Provokation, denn \u00c4u\u00dferungen von arabischen Antizionisten gab es viele, die tats\u00e4chlich die Juden, die Israelis physisch vernichten wollen. Und Streicher bildet da den Zusammenhang mit Europa ab, weil hier, in Deutschland, der systematische Massenmord an den Juden geplant und ausgef\u00fchrt wurde.<\/p>\n<p>Dazu gibt es ersch\u00fctterndes Material aus Frankreich, wo in Sarcelles richtiggehend Jagd auf j\u00fcdische B\u00fcrger gemacht wurde. Pogrome in Europa im 3. Jahrtausend. Wo arabischst\u00e4mmige Jugendliche einen j\u00fcdischen Jugendlichen gekidnappt hatten, L\u00f6segeld forderten, &#8222;weil alle Juden Geld haben&#8220; und ihn schlie\u00dflich brutal ermordeten.<\/p>\n<p>Aus Deutschland sehen wir eine Edelgart Mayer zu Upstrup, die auf dem Evangelischen Kirchentag in Stuttgart f\u00fcr eine Hilfsorganisation steht und den Tr\u00e4nen nahe sagt, die Israelis t\u00e4ten heute &#8222;das gleiche was ihnen angetan worden ist&#8220;. Querfrontler um den Ex-Linken J\u00fcrgen Els\u00e4sser demonstrieren in Berlin. Antisemiten fordern in Z\u00fcrich vor der Fifa-Zentrale den Ausschluss Israels aus der Fifa. Boykottaktionen gegen israelische Produkte aus den besetzten Gebieten und wahrscheinlich auch solche \u00fcberhaupt aus Israel in Frankreich. Roger Waters von Pink Floyd, Bryan Adams und andere Musiker, die Auftritte in Israel boykottieren. Franz\u00f6sische Hiphoper gegen die &#8222;Holocaust-Industrie&#8220;.<\/p>\n<p>Eine Demonstration in Berlin zur Zeit des letzten Gaza-Krieges &#8211; Demonstranten rufen &#8222;Adolf Hitler!&#8220;, &#8222;Tod Israel!&#8220; und andere eindeutig antisemitische Parolen.<\/p>\n<h5>Was noch alles reingeh\u00f6rte &#8211; und was wohl arte und WDR drinhaben wollten<\/h5>\n<p>Das sind gen\u00fcgend Trigger, die mein Interesse ausgel\u00f6st haben: Wie sieht Antisemitismus heute aus? Offenbar ist es nicht mehr nur der der zwanziger, drei\u00dfiger, vierziger Jahre. Nicht mehr nur deutsch. Nicht mehr nur faschistisch. Viele Linke sind antisemitisch, verbr\u00e4mt als &#8222;antizionistisch&#8220;. 50 Jahre nach dem 2. Juni 1967 ist das hochinteressant, k\u00fcrzlich gab es in Frankfurt dazu eine Tagung: Wie entstand der linke Antisemitismus, wie wurde er durch den Sieg Israels im Sechstagekrieg 1967 beeinflusst, (nachdem die Linke zun\u00e4chst meist israelfreundlich war), wie verhalten sich Linkspartei-Abgeordnete wie Annette Groht?<\/p>\n<p>(Fairerweise m\u00fcsste man dann dazu sagen, dass es viele Linke gibt, die heftig gegen &#8222;boykottiert Israel&#8220;-Aktionen protestieren. Wiederum in Frankfurt gab es da vor einigen Tagen eine Demo unter anderem mit Jutta Ditfurth gegen eine Tagung der BDS-Bewegung, die den Boykott von Waren aus den israelisch besetzten Gebieten propagiert. Einen Aufruf &#8222;Wir wollen die Doku sehen&#8220; haben viele Linksparteiler vor allem aus dem Osten unterschrieben).<\/p>\n<p>All das wird nicht gefragt, analysiert; es wird nur festgestellt und angeprangert.\u00a0 Ganz wichtig nat\u00fcrlich, dass Antisemitismus heute in Europa sehr stark bei arabischst\u00e4mmigen, meist muslimischen Jugendlichen ausgepr\u00e4gt ist. (Nur h\u00e4tte man daf\u00fcr nicht die Doku so exzessiv mit Bildern und Fakten aus dem Nahen Osten immer wieder aus dem Gleis werfen d\u00fcrfen) Wie weit ist das durch islamistische Prediger angeheizt worden? Haben Juden und Muslime nicht vorher viel friedlicher in Frankreich zusammengelebt? Das alles h\u00e4tte man vertiefen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Der Auftrag von Arte beinhaltete Reisen nach Gro\u00dfbritannien, Schweden, Griechenland, Ungarn. Weil das Filmteam sehr viel in Israel und Gaza war, fielen diese Reisen flach oder schafften es jedenfalls nicht in den Film. Aber verdammt: Wenn ich das Thema &#8222;Antisemitismus in Europa&#8220; tiefer untersuchen will: Warum frage ich dann nicht, warum gerade britische Musiker so &#8222;israelkritisch&#8220; sind? Gro\u00dfbritannien und Antisemitismus? Mir ist das eher ein unvertrauter Zusammenhang. Und dann Ungarn? Geh\u00f6rt f\u00fcr mich auf jeden Fall da hinein. In Ungarns &#8222;Nationalem Grundlehrplan&#8220; werden antisemitische Schriftsteller und Ideologen der Zwischenkriegszeit zur Lekt\u00fcre empfohlen. Die antisemitische Jobbik-Partei ist stark. Ist die Mehrheit der Ungarn militant antisemitisch? Was ist mit Griechenland und der brutalen rechtsextremistischen Partei der &#8222;Goldenen Morgenr\u00f6te?&#8220; Stand auf dem Reiseplan, glaube ich &#8211; und ist auch als weniger interessant weggefallen.<\/p>\n<p>Was ist mit der AfD, die sich mittlerweile meist israelfreundlich gibt? Der AfD-Landtagsabgeordnete Wolfgang Gedeon aus Baden-W\u00fcrttemberg h\u00e4lt die eindeutig gef\u00e4lschten &#8222;Protokolle der Weisen von Zion&#8220; f\u00fcr wahrscheinlich wahr. Martin Hohmann, 2003 wegen einer (zu Recht) als antisemitisch eingesch\u00e4tzten Rede aus der CDU ausgeschlossener Bundestagsabgeordneter, kandidiert jetzt auf Platz vier der hessischen AfD-Landesliste f\u00fcr den Bundestag. AfD-Rechtsau\u00dfen Bj\u00f6rn H\u00f6cke fordert eine &#8222;erinnerungspolitische Kehrtwende um 180-Grad&#8220;. Ist das nicht &#8222;Antisemitismus in Europa&#8220;?<\/p>\n<p>Diese Doku h\u00e4tte ich gerne gesehen. Ich glaube, auch Arte und der WDR h\u00e4tten sie gerne gehabt und ausgestrahlt. Sie haben sie ja auch so bestellt. Mir steht es nur zu, das zu beurteilen, was ich sehe. Und das ist als journalistisches Werk schlecht, unrund, oberfl\u00e4chlich. Ich verstehe, wenn Arte dieses qualitativ mangelhafte St\u00fcck nicht ausstrahlen wollte.<\/p>\n<h5>&#8222;Der Verdacht liegt nahe&#8230;.&#8220; &#8211; wie w\u00e4r&#8217;s mit Fakten und Recherche?<\/h5>\n<p>Und ich finde es ziemlich unfair, wenn die Tatsache, dass dieses wichtige Material nicht mit Hilfe dieser schlechten Doku gezeigt werden sollte, in der \u00f6ffentlichen Diskussion zu einer Kampagne missbraucht wird. &#8222;Bild&#8220; hat die Dreistigkeit, zu sagen &#8222;Der Verdacht liegt nahe, dass die Dokumentation deshalb nicht gezeigt wird, weil sie ein antisemitisches Weltbild in weiten Teilen der Gesellschaft belegt, das ersch\u00fctternd ist&#8220;.<\/p>\n<p>Das unterstellt, dass dieses Werk nicht aus dem Grund nicht gesendet wurde, weil es journalistisch schlecht ist, sondern weil die, die das fachlich wohl richtig entschieden haben, niedertr\u00e4chtige, verwerfliche Motive hatten. Niedertracht liegt eher darin, dass ein Journalist, der &#8222;Bild&#8220;-Reporter Claas Weinmann, so einen schwerwiegenden, unbelegten Vorwurf erhebt und an den Anfang der von ihm pr\u00e4sentierten Doku sein Statement stellt, in dem er sagt &#8222;Der Verdacht liegt nahe&#8230;.&#8220; Verflucht: Was seid ihr denn alle f\u00fcr Journalisten? Echte Journalisten berichten nicht \u00fcber &#8222;Verdachte, die nahe liegen&#8220;, oder\u00a0 etwas, was &#8222;etwas erkl\u00e4ren k\u00f6nnte&#8220;, sondern: recherchieren, recherchieren, recherchieren, und machen daraus ein ordentliches journalistisches Produkt. Und versuchen nicht, wenn eine Redaktion ihr Werk verworfen hat, weil es gravierende Qualit\u00e4tsm\u00e4ngel hat, dies mit b\u00f6sen M\u00e4chten, die im Hintergrund die Ver\u00f6ffentlichung verhindert haben, zu erkl\u00e4ren.<\/p>\n<div class=\"shariff shariff-align-left shariff-widget-align-left\" data-services=\"facebook\" data-url=\"https:\/\/blog.christoph-kaeppeler.de\/?p=1134\" data-timestamp=\"1497952218\" data-hidezero=\"1\" data-backendurl=\"?rest_route=\/shariff\/v1\/share_counts&\"><ul class=\"shariff-buttons theme-default orientation-horizontal buttonsize-medium\"><li class=\"shariff-button mastodon shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#563ACC\"><a href=\"https:\/\/s2f.kytta.dev\/?text=Die%20Arte-Doku%20zum%20Antisemitismus%3A%20Handwerklich%20schlecht%2C%20%C3%BCberfrachtet%20und%20dadurch%20oberfl%C3%A4chlich https%3A%2F%2Fblog.christoph-kaeppeler.de%2F%3Fp%3D1134 via @CKaeppeler@social.cologne\" title=\"Bei Mastodon teilen\" aria-label=\"Bei Mastodon teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; 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